Prozess in Istanbul: Hamburger Familie starb durch Insektizid-Vergiftung im Hotel
Prozess: Hamburger Familie starb durch Hotel-Insektizid

Prozess in Istanbul nach tragischem Tod deutscher Familie

Fünf Monate nach dem tragischen Tod einer vierköpfigen Familie aus Hamburg beginnt am Dienstag im Istanbuler Justizpalast Caglayan ein aufsehenerregender Prozess. Gegen sechs Angeklagte wird wegen des Todes der Eltern und ihrer beiden Kleinkinder verhandelt, die während eines Türkei-Urlaubs im November vergangenen Jahres einer schweren Vergiftung erlagen.

Giftiges Gas im Hotelzimmer nachgewiesen

Die Familie war am 9. November in Istanbul angekommen und erkrankte kurz darauf schwer. Während zunächst eine Lebensmittelvergiftung vermutet wurde, ergab ein späteres rechtsmedizinisches Gutachten eine Vergiftung durch das toxische Gas Phosphin. Dieses war laut Untersuchungen im Hotelzimmer der Familie im Stadtteil Fatih nachweisbar.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten „bewusste fahrlässige Tötung“ vor. Unter den Beschuldigten befinden sich der Hotelinhaber, ein Rezeptionist, der Eigentümer einer Schädlingsbekämpfungsfirma und dessen Sohn sowie ein Mitarbeiter, der die Behandlung mit dem Insektizid durchgeführt haben soll. Fünf von ihnen sitzen derzeit in Untersuchungshaft.

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Schädlingsbekämpfungsfirma im Fokus der Ermittlungen

Besonders kritisch wird die Rolle der Schädlingsbekämpfungsfirma bewertet. Laut Anklageschrift wurde das Chemikalium Aluminiumphosphid verwendet, das für die Bekämpfung von Bettwanzen ungeeignet ist. Zudem soll die Firma über keine notwendigen Genehmigungen verfügt und keine Sicherheitsvorkehrungen getroffen haben.

Interessant ist, dass es bereits in der Vergangenheit eine Strafanzeige gegen dieselbe Firma wegen eines mutmaßlichen Vergiftungsfalls gegeben hatte. Die Beschuldigten weisen die Vorwürfe bisher einheitlich zurück.

Mögliche Strafen und Forderungen des Familienanwalts

Die Staatsanwaltschaft fordert Haftstrafen zwischen zwei Jahren und acht Monaten bis zu 22 Jahren und fünf Monaten. Einem weiteren Hotelmitarbeiter wird „fahrlässige Tötung“ vorgeworfen, was bis zu 15 Jahren Haft zur Folge haben könnte.

Der Anwalt der Familie, Yasar Balci, geht in seinen Forderungen deutlich weiter. Er wirft den Beschuldigten „vorsätzliches Handeln“ vor und fordert für jedes der vier Todesopfer separate Strafen von 20 bis 25 Jahren. „Das könnte eine Gesamtsumme von bis zu 100 Jahren Haft für die Täter bedeuten“, erklärte Balci.

Der Anwalt, der auch ein Freund der Familie war, betonte die emotionale Dimension des Falls. Er hatte persönlich das Hotelzimmer betreten, um die letzten Habseligkeiten der Familie abzuholen. „Sie hatten ein Prinzessinnenkleid für ihre Tochter und ein Galatasaray-Trikot für ihren Sohn gekauft“, sagte er sichtlich bewegt.

Gift gelangte wahrscheinlich über Lüftungsschacht

Nach Einschätzung von Anwalt Balci könnte das giftige Gas über einen Lüftungsschacht in das Zimmer der Familie gelangt sein. Diese technische Detailfrage wird im Prozess eine wichtige Rolle spielen.

Balci fordert ein „beispielhaftes Urteil“, das eine abschreckende Wirkung auf Hotels, Schädlingsbekämpfungsfirmen und staatliche Beamte haben soll. „Nur so können wir ähnliche Tragödien in Zukunft verhindern“, betonte der Rechtsvertreter.

Die Mutter (27) und die beiden Kinder im Alter von drei und fünf Jahren starben zuerst, nach mehreren Tagen auf der Intensivstation erlag auch der 38-jährige Vater seinen Verletzungen. Der Prozess wird international mit großer Aufmerksamkeit verfolgt, da er grundsätzliche Fragen zur Sicherheit von Touristenunterkünften aufwirft.

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