Rostocker Gastronomie im Influencer-Fokus: Tradition trifft auf Social Media
Rostocker Gastronomie: Influencer bewerten Restaurants

Rostocks Restaurants im Rampenlicht der Social-Media-Stars

Die kulinarische Landschaft Rostocks steht zunehmend im Fokus von Food-Influencern, die mit ihren Bewertungen in sozialen Netzwerken neue Gäste generieren können. Während einige Lokale von der zusätzlichen Aufmerksamkeit profitieren, erhalten andere gemischte Urteile, die traditionelle Küche auf den Prüfstand stellen.

Gemischte Resonanz für böhmische Tradition

Ein prominentes Beispiel ist der Besuch des Berliner Influencers Daniel Kallweit, bekannt als blocki030 mit über 163.000 Instagram-Followern. Während er dem Ocean7 - Sushi & Asian Fusion am Stadthafen großes Lob zollte, fiel seine Bewertung für die Wenzel Prager Bierstuben in Warnemünde durchwachsen aus. Nicole Boeck, Geschäftsleiterin des Traditionsbetriebs, kommentiert mit einem Schmunzeln: „Ich denke, er kann mit den böhmischen Knödeln nichts anfangen.“

Die Spezialität aus Hefeteig mit Weißbrotstücken wird zu vielen Gerichten serviert und erhielt zusammen mit Biergulasch und Kassler lediglich fünf von zehn möglichen Sternen. Boeck betont, dass der Influencer sich weder angekündigt noch nach seinem Besuch Rückmeldung gegeben habe: „Es wäre schön gewesen, wenn er es uns selbst gesagt hätte, dass ihm etwas nicht schmeckt.“

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Social Media als Chance für die Gastronomie

Frank Sofka, Geschäftsführer des Ocean7, sieht in Influencern eine moderne Werbeform: „Es ist die neue Art, Werbung zu machen, besser als die alten Standards.“ Sein Restaurant wählt gezielt Creator aus, die zum Konzept passen und deren Community potenzielle Gäste darstellt. Die Kooperationen zeigen messbare Erfolge: „Wir konnten nach Veröffentlichungen messbar mehr Reservierungen und Laufkundschaft verzeichnen.“

Doch der nachhaltige Effekt hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Die Qualität muss den Versprechungen entsprechen
  • Das Video sollte Vertrauen aufbauen
  • Die Zielgruppe des Influencers muss zum Restaurant passen

Tradition meets Digitalisierung

Die Wenzel Prager Bierstuben, seit 19 Jahren mit böhmischer Küche etabliert, stehen vor der Herausforderung, ihre meist ältere Stammkundschaft („im Durchschnitt 50 Plus“) mit jüngeren Gästen zu ergänzen. Nicole Boeck erkennt den Handlungsbedarf: „Wir müssen ein bisschen mehr hip werden – für die Jugend.“ Daher baut das Restaurant derzeit seine Social-Media-Präsenz aus.

Trotz der gemischten Erfahrungen mit blocki030 zeigt sich Boeck offen für weitere Influencer-Besuche: „Die können gerne kommen.“ Sie verweist auf positive Rückmeldungen von Stammgästen, die die negative Bewertung nicht nachvollziehen konnten.

Professionelle Kooperationen als Erfolgsrezept

Das Ocean7 setzt auf strukturierte Zusammenarbeit mit Content Creatoren. Vor einem Besuch findet eine Abstimmung statt, bei der Zeitpunkt und Inhalte geklärt werden. Frank Sofka erklärt das Geschäftsmodell: „Üblicherweise stellen wir Speisen und Getränke kostenfrei zur Verfügung, da es sich um eine Form der Kooperation handelt. Im Gegenzug wird ein Video oder Beitrag erstellt und veröffentlicht.“

Neben etablierten Influencern wie blocki030 schätzt das Restaurant auch regionale Creator mit kleinerer Reichweite, darunter willi_wills_essen, leni.pie, dasmaisterwerk und berlinfoodsociety. Diese Vielfalt ermöglicht eine breite Streuung der Werbewirkung.

Die Rostocker Gastronomie befindet sich im Spannungsfeld zwischen traditioneller Küche und digitaler Vermarktung. Während einige Betriebe die neuen Möglichkeiten bereits erfolgreich nutzen, stehen andere vor der Aufgabe, ihre Angebote für die Social-Media-Generation attraktiv zu präsentieren, ohne dabei ihre Identität zu verlieren.

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