Südtiroler Gemeinden bekämpfen Wildcamping: Übernachtungsverbote und juristische Auseinandersetzungen
Südtirol kämpft gegen Wildcamping mit Verboten

Südtirol im Kampf gegen Wildcamper: Übernachtungsverbote und juristische Schlachten

Die idyllischen Tourismusregionen Südtirols sehen sich mit einem wachsenden Problem konfrontiert: Wildcamper, die öffentliche Parkplätze besetzen und diese durch ihre Übernachtungen verschmutzen. Gemeinden wie Wolkenstein im Grödnertal und die Region um den Kalterer See reagieren nun mit strikten Verboten, die jedoch auf juristischen Widerstand stoßen.

Wolkenstein setzt auf gerichtliche Durchsetzung

Die Gemeinde Wolkenstein hat vor einem halben Jahr ein Übernachtungsverbot in Fahrzeugen erlassen, das Camper, Wohnmobile und andere Übernachtungsfahrzeuge betrifft. Gemeindereferent Ernest Cuccarollo begründet dies mit den hygienischen Problemen: "Die deutlichen Spuren menschlicher Aktivitäten wie Waschen, Toilettengänge und Mahlzeiten finden sich dann am Wegesrand – das kann und darf es nicht sein." Bürgermeister Tobias Nocker verzeichnet bereits erste Erfolge: Seit Inkrafttreten des Verbots seien weniger Camper in die Gemeinde gekommen.

Juristischer Widerstand der Camper-Vereinigungen

Die italienische Camper-Vereinigung hat jedoch Beschwerde gegen die Wolkensteiner Verordnung eingelegt. Sie argumentiert, das Verbot sei diskriminierend, da es sich ausschließlich gegen Wohnmobile und Camper richte und damit das Gleichheitsprinzip verletze. Rechtsanwalt Christoph Perathoner, der die Gemeinde vertritt, zeigt sich skeptisch: "Es gibt haufenweise Urteile, in denen sich die nationale Campervereinigung gegen Gemeinden in ganz Italien durchgesetzt hat." Die Chancen, dass das Verbot vor dem Verwaltungsgericht Bestand habe, seien nur mäßig.

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Weitere Gemeinden folgen dem Beispiel

Nicht nur Wolkenstein kämpft gegen das Phänomen. In Kastelruth schildert Bürgermeisterin Cristina Pallanch ähnliche Probleme: "Die Wildcamper blockieren öffentliche Parkplätze, hinterlassen Müll und verrichten ihre Notdurft in angrenzenden Wäldern – das ist sanitär ein Problem." Auch am Kalterer See plant man ein nächtliches Parkverbot mit Abschleppung, insbesondere entlang des Seerundwanderweges, um Umweltverschmutzung und unerlaubtes Campieren einzudämmen.

Touristische und politische Dimension

Südtirol verzeichnete 2024 auf Camping- und Stellplätzen etwa zwei Millionen Übernachtungen – ein Beleg für die immense touristische Bedeutung der Region. Der Landesrat für Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Tourismus, Luis Walcher (SVP), unterstützt die Gemeinden ausdrücklich: "Wildcampen ist ein Phänomen geworden, das überhandgenommen hat." Er ermutigt die Kommunen, mit Verordnungen dagegen vorzugehen.

Eine Camperin aus Bayern bringt die andere Seite zum Ausdruck: "Man ist ja quasi schon drauf angewiesen, dass man wo stehen kann, oder man muss den einzigen Campingplatz nehmen, der 58 Euro nur für den Stellplatz kostet." Dieser Konflikt zwischen touristischer Infrastruktur, Umweltschutz und individueller Reisemobilität wird die Region noch länger beschäftigen.

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