Wohnmobilstellplatz Lenzen: Privatisierung ab 2027 beschlossen
Wohnmobilstellplatz Lenzen wird privatisiert

Nur ein einsamer Wohnwagen steht derzeit auf dem Caravan-Stellplatz am Rudower See in Lenzen. Zum langen Wochenende könnten es vielleicht ein paar mehr werden, doch die Statistik des Amtes Lenzen-Elbtalaue zeigt einen klaren Trend: Die Gästezahlen sinken, und das Campen ist für die Stadt ein Verlustgeschäft. Am Mittwochabend haben die Stadtverordneten nach langer Diskussion einen Beschluss gefasst: Der Platz soll ab 2027 privatisiert werden. Trotz des Minusgeschäfts bleibt er in diesem Jahr jedoch geöffnet.

Antrag auf Schließung gescheitert

Eine Schließung, wie sie im Vorfeld diskutiert worden war, ist damit vom Tisch. Auch die Toilettenanlage soll wie geplant zum 1. Mai öffnen – sowohl für Campingurlauber als auch für Badegäste. Insbesondere die Fraktion „Horizonte/Freie Wähler – Neues Lenzen“ hatte in einem eigenen Antrag die Schließung des Platzes wegen der hohen Kosten beantragt. Dieser Antrag wurde jedoch von allen anderen Stadtverordneten abgelehnt.

Die Privatisierung ist allerdings an Bedingungen geknüpft. Die SPD- und CDU-Fraktion setzten in einem Änderungsantrag durch, dass von Mai bis Oktober dieses Jahres ein geringfügig beschäftigter Mitarbeiter eingestellt werden soll, der sich um den Platz kümmert – sofern dies während der vorläufigen Haushaltsführung zulässig ist. Denn Lenzen hat, wie die anderen Gemeinden des Amtes, nach wie vor keinen Haushalt für die Jahre 2025 und 2026. Zweitens soll die Kündigungsfrist für die Gaststätte „Haus am See“ geprüft werden. Danach ist eine deutschlandweite Ausschreibung zum 1. Januar 2027 vorgesehen.

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Kritik von der Fraktion „Horizonte“

Für die Fraktion „Horizonte“ ist diese Lösung nicht überzeugend. Der Platz habe mittlerweile ein schlechtes Image und verursache hohe Kosten, machten die Abgeordneten Beate Häfke und Uwe Roese deutlich. Sie beantragten daher, den Platz bis zu einer konzeptionellen Weiterentwicklung zu schließen, um weitere Einbußen zu vermeiden.

Defizit ist zuletzt gesunken

Dem hielten die anderen Fraktionen entgegen, dass der Platz durchaus wirtschaftlich betrieben werden könne. Vertreter von SPD und CDU verwiesen auf die Einnahmen der letzten Jahre, die stabil um die 30.000 Euro betrugen. Außerdem sei das jährliche Defizit nach Abzug aller Kosten von rund 20.000 Euro in den Jahren 2023/24 auf gut 5.000 Euro im vergangenen Jahr gesunken.

Der Platz sei zudem ein wichtiges Pfund für den lokalen Tourismus, insbesondere wegen seiner unmittelbaren Lage am Rudower See. Auch Bürgermeister Walter Jahnke (SPD) schloss sich diesen Argumenten an. Es gehe darum, die zu hohen Personalkosten in den Griff zu bekommen.

Technische Probleme und sinkende Gästezahlen

Inzwischen hat der Stellplatz eine automatische Schranke erhalten, die aber offenbar immer wieder ausfällt. „Sie wird per App gesteuert, lässt sich aber häufig nicht mit dem Bezahlsystem verbinden“, berichtet Stadtverordneter Uwe Roese im Gespräch mit unserer Redaktion. Das sei vor allem am Wochenende ein Problem, wenn im Amt niemand zu erreichen sei.

Die Probleme machen sich bei den Gästezahlen bemerkbar: Laut Statistik des Amtes sank die Zahl der Caravans von 911 im Jahr 2022 auf 605 im vergangenen Jahr. Die Übernachtungen im Wohnmobil gingen von 1.999 im Jahr 2022 auf 1.203 im vergangenen Jahr zurück.

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