12-Uhr-Regel treibt Spritpreise und Gewinne der Mineralölkonzerne in die Höhe
12-Uhr-Regel erhöht Spritpreise und Konzerngewinne

Die neue 12-Uhr-Regel für Preiserhöhungen an Tankstellen hat einer aktuellen Studie zufolge nicht nur die Spritpreise, sondern auch die Gewinnmargen der Mineralölkonzerne steigen lassen. Wirtschaftsforscher des ZEW Mannheim und des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie (DICE) haben die Auswirkungen der Regelung untersucht, die am 1. April in Kraft getreten ist.

Margenanstieg bei Superbenzin um 6 Cent pro Liter

Laut der Studie lag die Gewinnmarge bei Superbenzin in den ersten zwei Wochen nach Einführung der 12-Uhr-Regel im Schnitt um 6 Cent pro Liter höher als in den zwei Wochen davor. Bei Diesel fanden die Forscher hingegen keinen eindeutigen Effekt. „Das Maßnahmenpaket hat bisher nicht dazu geführt, das Preisniveau zu senken. Insbesondere bei Benzin stiegen die Gewinnmargen erheblich“, erklärte Studienautorin Leona Jung vom DICE. Mitautor Jacob Schildknecht vom ZEW ergänzte, dass die Margen bei Diesel im Beobachtungszeitraum stark geschwankt hätten, sodass sich ein Anstieg dort aktuell nicht belastbar quantifizieren lasse. Es gebe jedoch Hinweise, dass auch bei Diesel ein Effekt möglich sei.

Regionale und größenabhängige Unterschiede

Die Forscher stellten fest, dass die Auswirkungen der Regelung stark von der Region und der Tankstellengröße abhängen. Bei kleineren Ketten und unabhängigen Anbietern waren die Margenanstiege am größten, bei großen Ketten dagegen am geringsten. „Dieser Unterschied zeigt, dass die Reform nicht einheitlich wirkt, sondern stark von Marktstruktur und Wettbewerbsintensität abhängt“, sagte DICE-Direktor Justus Haucap. „Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass insbesondere größere Unternehmen ihre Margen weniger stark erhöhen, da sie als marktbeherrschende Akteure eher kartellrechtliche Prüfungen fürchten müssen.“

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Regional fielen die Effekte in Süddeutschland besonders stark aus. „Das höhere durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen im Süden könnte eine höhere Zahlungsbereitschaft und damit größere Margenanpassungen begünstigen“, erläutern die Forscher. Allerdings könnten auch regionale Unterschiede in den Lieferketten und bei der Rohölbeschaffung zu Kostenunterschieden führen, die die regionalen Unterschiede bei den Preisreaktionen weiter verstärkten.

Studienbasis und Methodik

Grundlage der Studie waren Preisdaten der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe aus den 14 Tagen vor und nach der Reform. Um die Gewinnmargen zu berechnen, verglichen die Wissenschaftler die Nettopreise mit den Großhandelspreisen der europäischen Handelsregion Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen.

Kritik bereits im Vorfeld

Schon vor der Einführung der 12-Uhr-Regel hatte es Kritik gegeben. Befürchtet wurde, dass das aus Österreich übernommene Modell eher zu höheren Spritpreisen führen könnte, weil die Preise auf Vorrat erhöht würden. Auch die Preisentwicklung im Vergleich zu den EU-Nachbarn zeigte in den ersten Tagen nach der Einführung bei Benzin einen besonders starken Anstieg in Deutschland.

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