Bier-Streit auf der Auer Dult: Brauerei Brewsli mit harter Kritik am Vergabesystem
Die Auer Dult in München steht seit jeher für Tradition und Beständigkeit. Nun sorgt eine Absage für hitzige Diskussionen: Die kleine Craftbrauerei Brewsli darf keinen Stehausschank auf dem traditionsreichen Markt betreiben. Während die Stadtverwaltung auf feste Regeln und ein Punktesystem verweist, spricht der Brauereibetreiber Benjamin Saller von fehlender Chancengleichheit und einem sogenannten "Biermonopol".
Tradition versus Innovation: Brewslis gescheiterte Bewerbung
In rund vier Wochen startet die Maidult, ein Ereignis, das für viele Münchnerinnen und Münchner den Inbegriff traditioneller Märkte darstellt. Viele Stände sind seit Jahrzehnten fester Bestandteil. Die Brauerei Brewsli, die nur etwa 500 Meter von der Dult entfernt in der Auer Taubenstraße sitzt, wollte frischen Wind auf das Fest bringen. Mitte März bewarb sich das Unternehmen auf Instagram für einen kleinen Stehausschank. Doch die Bewerbung wurde abgelehnt.
Laut Saller erfolgte die Ablehnung mit der Begründung, dass Brewsli im Punktesystem unterlegen sei. Interessanterweise konkurrierte die Brauerei dabei nicht mit anderen Bierausschänken, sondern mit einer Cocktailbar, die bereits auf der Dult vertreten ist. Saller zeigt sich fassungslob und richtet scharfe Worte an Wirtschaftsreferent Christian Scharpf (SPD): "Wie man sieht, bringt eine Bewerbung wenig, wenn man nicht einmal innerhalb der eigenen 'Sparte' konkurriert und Bier offenbar systematisch unerwünscht ist."
Stadt verteidigt Vergabepraxis: Auer Dult ist kein Volksfest
Das Wirtschaftsreferat der Stadt München widerspricht den Vorwürfen. Auf Anfrage betonte das Referat, dass die angebliche telefonische Aussage, mehr Bier sei nicht erwünscht, nicht bestätigt werden könne. Wirtschaftsreferent Scharpf erklärte: "Alkohol wird nur an einem Stehausschank pro Dult sowie in den drei Imbisshallen mit Sitzmöglichkeiten ausgeschenkt." Welches Bier in den Zelten angeboten wird, entscheiden die Betreiber selbst – nicht die Stadt.
Bei der Auswahl des Stehausschanks kommt ein vom Stadtrat festgelegtes Punktesystem zur Anwendung. Kriterien sind unter anderem die Qualität und Attraktivität des Warenangebots sowie die Dauer der bisherigen Teilnahme. Scharpf betonte zudem, dass die Auer Dult kein Volksfest, sondern ein traditioneller Markt sei, bei dem der Warenverkauf im Vordergrund stehe. Das Referat wies darauf hin, dass kleine regionale Brauereien wie Haderner Bräu in der Sparte Warenverkauf zugelassen wurden, wo sie Bier in Flaschen zum Mitnehmen anbieten.
Brewslis Reaktion und die Zukunft
Inzwischen sucht Benjamin Saller auf Instagram nach alternativen Räumlichkeiten für einen Brewsli-Stehausschank in München. Obwohl der direkte Weg auf die Auer Dult versperrt bleibt, hofft die Brauerei, so frischen Wind in die Münchner Gastronomielandschaft zu bringen. Der Streit wirft grundsätzliche Fragen auf: Wie viel Raum für Innovation und neue Anbieter gibt es auf traditionsreichen Veranstaltungen wie der Auer Dult? Brewslis Kritik am Vergabesystem und die Vorwürfe eines Biermonopols könnten die Diskussion über Fairness und Chancengleichheit auf solchen Märkten weiter anheizen.



