Diskussion nach Merz-Aussage: Syrer wagen die Rückkehr in die Heimat
Die ersten Syrerinnen und Syrer kehren nach Jahren des verheerenden Bürgerkriegs zurück in ihre Heimat – mit Träumen, innovativen Geschäftsideen und einer ungewissen Zukunft. Wenn es nach Bundeskanzler Friedrich Merz geht, sollen bald noch weit mehr dieser mutigen Menschen folgen.
Freiwillige Rückkehrer: Von Gastronomie bis Klettersport
Malakeh Jazmati hatte Syrien im Jahr 2011 verlassen, als die Proteste gegen das Regime von Baschar al-Assad begannen. Sie floh nach Deutschland und eröffnete dort erfolgreich ein Restaurant. Jetzt hat sie ein zweites Lokal in Damaskus eröffnet – einer Stadt, der sie sich tief verbunden fühlt.
Malakeh Jazmati, Restaurantbesitzerin: »In den vergangenen Jahren hatten wir noch geglaubt, dass eine Rückkehr nach Damaskus reine Fantasie, Irrsinn und völlig unmöglich ist.« Nach 14 Jahren Bürgerkrieg und Vertreibung in europäische Länder kehren Syrerinnen und Syrer vermehrt in ihre Heimat zurück.
Aisha Zain Jabaly, eine Seifenfabrikantin, ist freiwillig aus der Türkei zurückgekehrt. Sie berichtet von großen Herausforderungen: »Wir haben mit Stromausfällen zu kämpfen, die unsere Produkte verteuern. Die Infrastruktur ist durch Bombardierungen beschädigt, was sich auf unsere Industrie auswirkt. Außerdem gab es eine Abwanderung von Arbeitskräften – wir haben Probleme, qualifizierte Kräfte zu finden.«
Politische Debatte: Merz fordert Rückkehr von 80 Prozent
In Deutschland wird derzeit intensiv diskutiert, ob ein großer Teil der syrischen Geflüchteten in die Heimat zurückkehren sollte. Auslöser ist eine Aussage von Bundeskanzler Friedrich Merz während des Staatsbesuchs des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Sharaa.
Friedrich Merz, Bundeskanzler: »In der längeren Perspektive der nächsten drei Jahre, das ist der Wunsch von Präsident Sharaa gewesen, sollen rund 80 Prozent der in Deutschland jetzt sich aufhaltenden Syrerinnen und Syrer zurück in ihr Heimatland kehren.« Am Tag darauf bestritt al-Sharaa diese ihm zugeschriebene Aussage auf Nachfrage.
Wer auch immer die Zahl in die Welt gesetzt hat: Sie polarisiert stark. Denn viele Syrerinnen und Syrer in Deutschland sind bisher nicht freiwillig in ihre Heimat zurückgekehrt. Laut offizieller Statistiken waren es bis Ende November 2025 lediglich 3707 Personen. Zum Vergleich: Bis dahin hielten sich fast eine Million Menschen aus Syrien in Deutschland auf.
Herausforderungen und Optimismus in Syrien
Die Lebensbedingungen in Syrien bleiben problematisch: Die Sicherheitslage ist instabil, die Lebensmittelversorgung schlecht. Die Bundesregierung will und kann die Menschen nicht zur Rückkehr zwingen – auch wegen der heiklen Lage vor Ort.
Dennoch zeigen Rückkehrer wie Zahira Tasabehji, Inhaberin einer Kletterhalle, Mut und Optimismus: »Natürlich wird es weiter Sorgen geben, was die Zukunft bringen wird. Aber ich habe das Gefühl, dass Syrien umso besser wird, je mehr Stabilität durch diese Projekte im Land herrscht, und dass so noch mehr Menschen zurückkehren können.«
Bei allem Optimismus bleibt die Zukunft Syriens ungewiss. Zwar wuchs die Wirtschaft im vergangenen Jahr deutlich schneller als von der Weltbank prognostiziert – auch dank der Rückkehrer. Dennoch leben laut UN-Organisationen mehr als 90 Prozent der fast 25 Millionen Einwohner unterhalb der Armutsgrenze.
Die Diskussion um die Rückkehr syrischer Geflüchteter wird weitergehen, während Pioniere wie Jazmati, Jabaly und Tasabehji bereits den Weg in eine ungewisse, aber hoffnungsvolle Zukunft beschreiten.



