CDU-Steuerplan: Bürger uneins über Entlastungswirkung
CDU-Steuerplan: Bürger uneins über Entlastung

Berlin – Die schwarz-rote Regierung plant zum 1. Januar eine große Steuerreform, die vielen Bürgern mehr Geld im Portemonnaie bescheren soll. Das von den Unions-Politikern Yannick Bury (36, CDU) und Florian Dorn (39, CSU) entwickelte Konzept sieht eine Entlastung von bis zu 30 Milliarden Euro vor. BILD hat die Menschen nach ihrer Meinung gefragt.

Die Details der Steuerreform

Der Grundfreibetrag pro Erwachsenem soll von derzeit 12.348 Euro auf mindestens 13.348 Euro steigen. Dadurch bleibt ein größerer Teil des Lohns oder der Rente steuerfrei. Der Spitzensteuersatz von 42 Prozent soll künftig erst ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 85.000 Euro greifen, statt bisher 70.000 Euro. Der Solidaritätszuschlag, den noch zehn Prozent der Topverdiener zahlen, soll komplett entfallen. Im Gegenzug steigt der Steuersatz für Spitzenverdiener von 45 auf 47,5 Prozent – und zwar ab einem Jahreseinkommen von 210.000 Euro (bisher rund 278.000 Euro). Bürger könnten so bis zu 246 Euro im Monat mehr auf dem Konto haben.

Stimmen aus der Bevölkerung

„Alles, was jetzt kommt, kann nur besser werden“

Maik Menke (41), Geschäftsführer einer Rohr- und Kanalreinigungsfirma in Paderborn, begrüßt die Reform grundsätzlich: „Die Steuerreform würde mir gerade einen halben Tank füllen. Das ist nicht viel. Generell begrüße ich aber den Vorschlag, unabhängig davon, ob er von der CDU kommt. Alles, was jetzt kommt, kann nur besser werden. Die Kosten für mein Unternehmen steigen immer mehr. Wir müssen uns alle einschränken. Ich habe nur Angst, dass der Staat auf der einen Seite entlastet und sich das Geld woanders wieder zurückholt.“

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„Tropfen auf den heißen Stein“

Carsten Langowski (60), Kaufmann aus Hamburg, hält wenig von der Reform: „Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Natürlich freue ich mich über 50 Euro mehr. Aber die Inflation wird immer über der Steuerentlastung stehen. Es müsste eine wirkliche Strukturreform geben, wo man ganz viele Steuerberater nicht mehr braucht. Es gibt aber nur kleine Trostpflaster. Das Steuerrecht muss so werden, dass es jeder Bürger versteht. Idealfall wäre die Steuererklärung auf dem Bierdeckel.“

„Habe Angst um Zukunft und Rente“

Natalia Mogildea (36), Geschäftsführerin einer IT-Firma aus München, überlegt auszuwandern: „Deutschland war mal ein stabiles Land. Jetzt geht es nur abwärts. Woanders zahlt man weniger Steuern, die Energiepreise sind niedriger.“ Selbst mit gutem Gehalt achte sie auf die Preise. „Die Regierung muss endlich handeln – für die Bürger. Ich habe Angst um meine Zukunft und meine Rente. Es muss Reformen geben, die auch welche sind. Es ist schön, dass man mehr ausgezahlt bekommen soll. Aber wenn alles andere teurer wird, hat man am Ende wirklich mehr?“

„30 Euro Entlastung? Danke, kannst Du Dir sparen“

Thorsten Heimerl (59), Vertriebsmitarbeiter in einer Brauerei aus Friedberg, ist wütend: „Ich rege mich nur noch auf. Die Inflation erdrückt uns seit Jahren. Die Nebenkosten steigen ins Unermessliche. Wenn ich 30 Euro im Monat Entlastung bekomme, sage ich: Danke, kannst du dir sparen. Das regt mich nur noch auf.“

„Finanzielle Entlastung nehmen wir gerne an“

Nathalie Nickel-Guilbaud (42), stellvertretende Leiterin eines Kindergartens aus Mühlheim/Main, sagt: „Für uns als vierköpfige Familie sind die Lebenshaltungskosten immer teurer geworden. Deshalb ist alles, was eine finanzielle Entlastung bringt, gut. Grundsätzlich würde ich sagen, dass die Politik Familien entlasten könnte. Für uns sind 50 bis 60 Euro kein großer Gewinn, aber der Ansatz ist gut.“

„Die reden von Milliarden-Entlastung – bei mir sind’s 20 Euro“

Postbote Adrian Nieland (22) aus Bielefeld zeigt sich skeptisch: „Klar, ein paar Euro mehr nehme ich mit – aber das ist doch kein großer Wurf. Am Ende profitieren wieder die, die sowieso schon gut verdienen. Die da oben reden von Milliarden-Entlastung – bei mir sind’s vielleicht 20 Euro. Das reicht gerade für ein Abendessen, aber nicht im Restaurant. Das fühlt sich nicht gerecht an.“

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„Steuerpolitik gezielt statt pauschal“

Marcel Schneider (57), selbstständiger Friseurmeister und SPD-Kreisrat aus Nürnberg, fordert gezieltere Entlastungen: „Aktuell werden Ressourcen verschwendet, weil Bedürftige nicht stärker unterstützt werden. Sinnvoll wäre es, die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel abzuschaffen. Kapitalgewinne sollten genauso besteuert werden wie Arbeitseinkommen – mit dem Spitzensteuersatz von 42 Prozent.“

BILD-Leser-Voting

85 Prozent der Teilnehmer stimmten für eine XL-Steuerreform, zeigten sich aber skeptisch. Heiko Koch schrieb: „Definitiv, aber es braucht mehr als diese bescheidene Reform. 30 bis 50 Euro Entlastung sind lächerlich. Nicht mal der wöchentliche Einkauf ist gedeckt. Allein die Erhöhung meiner Versicherungen beläuft sich auf 120 Euro.“ Rainer Baumgartner meint: „Entlastungen wären dringend nötig – nur steckt die Politik in einem Dilemma. Entlastungen kosten Geld, das wir nicht haben, weil wir zu viel ausgeben.“ Heiko Moeller lehnt die Reform ab: „Dieses Land braucht keine Steuerreform. Erst muss die Ausgabenseite reformiert werden: weniger Politiker, weniger Verwaltung, weniger Vorschriften.“