Mit einem Knacken schießt eine silberne Kugel aus dem Abschuss eines Dirty-Harry-Flipperautomaten. Sie rollt über das leuchtende Spielfeld, prallt und wirbelt durch ein Labyrinth aus Plastikrampen. Die Finger von Carsten Fleuren hämmern auf die Knöpfe – als würde er auf nur zwei Tasten die Komplexität eines Bach-Werks entfesseln. Doch statt Musik ertönt ein rhythmisches Klick-Klack. Die Kugel scheint für eine Sekunde zu schweben, bevor sie gegen die Zielscheibe donnert.
65 Flipperautomaten blinken, fiepen, hypnotisieren. An einem Samstagnachmittag strömen mehr als 100 Menschen in den „Flipperkeller“ in Altdorf (Landkreis Landshut). Sowohl achtjährige Kinder als auch 65-jährige Nostalgiker sind auf der Silberkugeljagd – und das für den guten Zweck.
Ein Hauch von Metall und Nostalgie
„Ich verbinde mit dem Flippern Gemeinnützigkeit. Deswegen habe ich mir überlegt: Ich muss etwas Gutes tun“, sagt Carsten Fleuren, Chef des Flipperkellers – früher Flippergarage. So entstand vor drei Jahren die Idee, einen Charity-Day zu veranstalten. An diesem Tag können Flipperfreunde in Jugenderinnerungen schwelgen oder ihren Kindern zeigen, wie sich Mama oder Papa früher amüsiert haben, als es noch keine Handys gab.
„Die Resonanz ist enorm“, sagt Fleuren. 120 Menschen hatten sich angemeldet, um in verschiedenen Zeit-Slots zu spielen. Es gibt auch Gäste, die die ganze Veranstaltung über bleiben. Der 55-jährige Markus Grundler kam aus dem 150 Kilometer entfernten Weiden in der Oberpfalz, um den gesamten Tag durchzuflippern.
Grundler spielt in der Flipperliga Regensburg und wird in der IFPA-Rangliste (International Flipper Pinball Association) geführt. Nach Altdorf kommt er bis zu achtmal im Jahr. „Ich habe schon als Kind mit acht Jahren in einer Gaststätte geflippert. Jetzt habe ich wieder Zeit dafür“, sagt Grundler. „Letztes Jahr waren mein Schwager und ich sogar bei der Flipper-Europameisterschaft in Österreich.“
65 Automaten – noch mehr als im vergangenen Jahr
Insgesamt stehen 65 Automaten in Fleurens Königreich – 22 mechanische Wunderwerke mehr als im Vorjahr. Sie spielen im Keller die Hauptrolle. Die künstlichen Stimmen der Automaten und elektronisches Piepsen hallen durch den Raum. Die Displays werfen bunte Reflexionen auf die Gesichter der Spieler. Es riecht nach Metall und erwärmter Elektronik. Hunderte Glühbirnen heizen den Raum auf.
Vor acht Jahren hatte Fleuren nur 25 Automaten in seinem Keller. Heute füllen die Silberkugel-Maschinen zwei Räume. 38 Geräte gehören ihm selbst, andere hat er von Freunden und Bekannten geliehen. „Flipper bezeichnet man als Herdentiere“, sagt Fleuren. Wer einen Apparat kauft, hat bald mehrere – und damit ein Platzproblem.
„Von den Eintrittsgeldern kaufen wir Ersatzteile“
Dann schlägt die Stunde von Fleuren, der mit seinem Keller Flipperfans und ihren Automaten eine Zuflucht bietet. Die Geräte brauchen auch Pflege, denn an ihnen geht immer wieder etwas kaputt. Finanziert wird der Erhalt durch die Spieltage und private Veranstaltungen. „Von den Eintrittsgeldern kaufen wir Ersatzteile“, sagt Fleuren. Er und seine Helfer sind ehrenamtlich tätig. Die Miete für die Räume zahlt der Chef aus eigener Tasche.
Dass diese Mühe sich auszahlt, sieht Fleuren in den Gesichtern seiner Gäste: „Alle gehen strahlend hier raus. Die Leute ärgern sich zwar immer, wenn der Ball weggeht, aber sie spielen trotzdem immer weiter“, sagt er. Am Ende des Tages haben die Flipper-Begeisterten 1270 Euro gesammelt. Besucher haben das Geld in eine bereitgestellte Box im Keller eingeworfen – anstatt für den Eintritt zu bezahlen. Die Summe geht nun an den Förderkreis des Klinikums Landshut, die „Altdorfer netten Nachbarn“ (ANNA) und „Answerk“, eine Organisation, die Menschen mit Beeinträchtigungen unterstützt.



