Heineken-Chef kritisiert deutsche Bierpreise: Zu billig für den Marktwert!
Heineken-Chef: Deutsche Bierpreise sind zu niedrig

Heineken-Chef kritisiert deutsche Bierpreise als zu niedrig

Der Deutschlandchef des niederländischen Brauerei-Riesen Heineken, Geert Swaanenburg (54), hat in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die Bierpreise in Deutschland scharf kritisiert. Er bezeichnete sie als zu niedrig im Vergleich zum tatsächlichen Wert des Getränks. „Der Wert von Bier ist hier sehr niedrig“, sagte Swaanenburg und verwies auf die Mentalität und Marktlage in der Biernation Deutschland, die seit 1516 das Reinheitsgebot kennt.

Gestiegene Kosten versus niedrige Preise

Während Biertrinkern in deutschen Getränkemärkten vor allem die Preissprünge der vergangenen Jahre auffallen, sehen die Hersteller laut Swaanenburg deutlich gestiegene Kosten für Energie, Rohstoffe und Arbeit. Diese Diskrepanz stellt für die Brauereien ein wachsendes Problem dar, insbesondere da Bier im Supermarkt oft als Lockangebot eingesetzt wird. Kistenpreise knapp um 10 Euro, Dauer-Rabatte und aggressive Aktionen sind für viele Kunden normal, doch für die Branche ein Zeichen des Überlebenskampfes.

Interessanterweise kostet Heineken-Bier in Deutschland meist etwa 15 Prozent mehr als ein heimisches Pils oder Helles. Dennoch betont Swaanenburg, dass sein Unternehmen nicht auf aggressive Werbeaktionen setzen will. „Unsere Lösung liegt nicht in aggressiven Werbeaktionen“, erklärte er und fügte hinzu: „Sie werden bei uns auch keine Angebote wie 10 Euro für eine Kiste finden.“

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Branche unter Druck: Sinkender Inlandsabsatz

Die deutsche Brauereibranche steht seit Jahren unter erheblichem Druck. Die Deutschen trinken immer weniger von ihrem Nationalgetränk: Im Jahr 2024 lag der Pro-Kopf-Verbrauch bei nur noch 88 Litern, ein historischer Tiefststand. Vor 20 Jahren waren es noch 116 Liter. Regional gibt es Unterschiede, so kommen die Sachsen beispielsweise auf etwa 150 Liter pro Kopf.

Laut Swaanenburg und der FAZ liegt ein Grund für die niedrigen Preise im Überlebenskampf vieler der knapp 1500 Brauereien in Deutschland. Diese stehen nur wenigen Großhändlern gegenüber, und die Handelsketten diktieren zunehmend die Preise. Dies führt zu einer Marktlage, in der der Wert des Bieres nicht angemessen widergespiegelt wird.

Exportstark, aber heimatschwach

Aktuelle Zahlen des Deutschen Brauer-Bunds (DBB), die auf Daten des Statistischen Bundesamts basieren, unterstreichen die schwierige Situation. Im Februar sank der Bierabsatz insgesamt um 2,5 Prozent auf 5,2 Millionen Hektoliter. Das Minus ist vor allem auf den Inlandsmarkt zurückzuführen: Der Inlandsabsatz schrumpfte um 6,9 Prozent auf 4,1 Millionen Hektoliter.

Dafür entwickelte sich der Export positiv: Es gab ein Plus von 17,6 Prozent. Außerhalb der Europäischen Union stieg der Absatz um 12,8 Prozent auf 495.437 Hektoliter, innerhalb der EU sogar um 21,8 Prozent auf 622.421 Hektoliter. Deutsche Biere sind somit exportstark, aber im Heimatmarkt schwächelnd.

Insgesamt zeigt die Kritik des Heineken-Chefs die Spannungen in der deutschen Brauereibranche auf, wo niedrige Preise und sinkender Inlandskonsum die Hersteller vor große Herausforderungen stellen.

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