Insolvenz bei Traditionsunternehmen: 200 Jobs bei 168 Jahre altem Möbelhersteller OKA in Gefahr
Der traditionsreiche Möbelhersteller OKA aus Neugersdorf in Sachsen hat am 1. April Insolvenz angemeldet. Mehr als 200 Beschäftigte des 168 Jahre alten Unternehmens bangen nun um ihre Arbeitsplätze. Das Amtsgericht Dresden bestellte den Rechtsanwalt Nicolas Rebel von der Wirtschaftskanzlei White & Case zum vorläufigen Insolvenzverwalter der OKA Büromöbel GmbH & Co. KG.
Geschäftsbetrieb wird vorerst fortgeführt
Der Sanierungsexperte kündigte an, dass der Geschäftsbetrieb zunächst uneingeschränkt fortgeführt wird. Die Löhne der Mitarbeiter sind für drei Monate über das Insolvenzgeld gesichert. Allerdings hatte die Geschäftsführung die Belegschaft bereits vor einigen Tagen wegen finanzieller Schwierigkeiten von der Arbeit freigestellt, wie die Sächsische Zeitung berichtete.
Offene Aufträge sollen zeitnah neu terminiert und ausgeliefert werden, um die Liefertreue sicherzustellen. Geschäftsführer Sebastian Kasper, der das Unternehmen in sechster Familiengeneration leitet, zeigt sich zuversichtlich. Mithilfe der Sanierungsberater von dmp solutions arbeite man daran, die Firmengruppe neu aufzustellen und die komplexe Finanzierungsstruktur aufzuarbeiten.
Ursache: Probleme beim Bau einer Fabrik in Polen
Die wirtschaftliche Schieflage des Unternehmens geht vor allem auf Verzögerungen bei der Inbetriebnahme einer weiteren Fertigungsstätte in Polen zurück. In Wykroty wurde 2023 mit dem Bau einer neuen, rund 125.000 Quadratmeter großen Fabrik begonnen. Diese Investition hat dem Traditionsbetrieb offenbar schwer zugesetzt.
Das Unternehmen wurde 1858 von August Kasper in Neugersdorf als Tischlerei gegründet. 1892 begann Oskar Kasper, Büromöbel in Serie zu produzieren – aus seinem Namen entstand das Markenzeichen OKA. Nach der Wiedervereinigung kaufte die Familie das Stammwerk in Sachsen von der Treuhand zurück.
Sanierungsbemühungen laufen auf Hochtouren
Insolvenzverwalter Rebel lotet mit den Beratern und Verfahrensbeteiligten alle Sanierungsmöglichkeiten aus. Die Kanzlei White & Case betreut bereits die Insolvenz des Büromöbelherstellers König + Neurath aus Frankfurt am Main und verfügt somit über Branchenerfahrung.
OKA galt bislang als feste Größe im Markt für hochwertige Büromöbel. Das Unternehmen beliefert zahlreiche deutsche und internationale Firmen sowie die öffentliche Verwaltung. Nach Angaben des Insolvenzverwalters ist das Kerngeschäft nach wie vor rentabel. Das Ziel des Insolvenzverfahrens ist es, die OKA zukunftsfähig zu machen und den Traditionsbetrieb zu erhalten.
Die kommenden Wochen werden entscheidend sein für die Zukunft des Unternehmens und die mehr als 200 Mitarbeiter, die auf eine positive Entwicklung hoffen. Die Sanierungsbemühungen konzentrieren sich darauf, die finanzielle Struktur zu stabilisieren und den Betrieb langfristig zu sichern.



