Die Insolvenz der beiden Harzer Autozulieferer Bohai und Schlote hat nun auch die Landespolitik auf den Plan gerufen. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) will persönlich mit der Führung des Volkswagen-Konzerns in Wolfsburg sprechen, um die auslaufenden Aufträge für die Unternehmen zu sichern. Nach einem mehrstündigen Gespräch mit dem Insolvenzverwalter Olaf Spieckermann am Montagabend kündigte Schulze am Dienstag an, sich an die VW-Spitze zu wenden. „Wir haben in den letzten Monaten sehr hart dafür gearbeitet, dass wir drei Investoren für Wernigerode und Harzgerode haben“, erklärte der Regierungschef. „Wir hatten bis letzte Woche die Zusage von VW, dass die mit an Bord bleiben.“
Bohai und Schlote: Bedeutung für die Region
Das Unternehmen Bohai beschäftigt knapp 600 Mitarbeiter in Harzgerode und produziert Aluminiumgussteile für Getriebe, Motoren und Karosserien. Der VW-Konzern war bisher mit einem Anteil von 80 Prozent der größte Abnehmer. Schlote unterhält Werke in Harzgerode und Wernigerode mit rund 330 Beschäftigten. Nach Informationen dieser Zeitung plant einer der potenziellen Investoren, die Werke von Bohai und Schlote sowie die Trimet Gießerei in Harzgerode zu übernehmen. Das Konzept sieht vor, künftig auch Kunden aus der Luftfahrt- und Rüstungsindustrie zu gewinnen. „Das leichte Material Aluminium ist vielseitig einsetzbar“, betont ein Branchenkenner. Offenbar gab es bereits Gespräche zwischen den Investoren und VW.
VW-Konzern zieht Aufträge zurück
Am Montag teilte Insolvenzverwalter Spieckermann jedoch überraschend mit, dass der VW-Konzern ab Herbst 2026 keine Teile mehr aus Harzgerode beziehen werde. Auf Anfrage des Autobauers hieß es, die Entscheidung basiere „auf kommerziellen, technischen und strategischen Erwägungen“. Die plötzliche Kehrtwende könnte mit dem Druck auf Konzernchef Oliver Blume zusammenhängen, der von der VW-Eigentümerfamilie zu noch stärkeren Sparanstrengungen aufgefordert wurde. Insolvenzverwalter, Landesregierung und Gewerkschaften wollen nun auf die oberste Führungsebene zugehen, um über die Konditionen zu verhandeln und VW als großen Auftraggeber zu halten.
Die Situation ist für die betroffenen Mitarbeiter und die Region äußerst kritisch. Hunderte Arbeitsplätze in Harzgerode und Wernigerode sind akut gefährdet. Ministerpräsident Schulze setzt nun auf ein direktes Gespräch mit der VW-Führung, um eine Lösung zu finden. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Bemühungen erfolgreich sind und die Zukunft der Zulieferer gesichert werden kann.



