Kerosin-Knappheit bedroht europäische Luftfahrt: Ryanair-Chef warnt vor drastischen Maßnahmen
Die europäische Luftfahrtbranche steht vor einer ernsten Herausforderung. Nachdem die irische Billigfluglinie Ryanair zunächst beteuert hatte, sich gegen Kerosinmangel und explodierende Preise abgesichert zu haben, äußert sich Vorstandsvorsitzender Michael O'Leary nun deutlich besorgter. Er spricht von drohenden Lieferengpässen und möglichen Flugstreichungen, die den gesamten Flugverkehr in Europa betreffen könnten.
Blockade der Straße von Hormus verursacht Unsicherheit
Der zentrale Grund für die plötzliche Alarmstimmung ist die Blockade der strategisch wichtigen Straße von Hormus. Über diese Wasserstraße werden in Friedenszeiten mehr als ein Fünftel des weltweiten Erdöls transportiert. Die aktuelle Situation hat zu erheblicher Unsicherheit geführt, ob geplante Treibstofflieferungen aus Kuwait tatsächlich Europa erreichen werden. O'Leary erklärte gegenüber Sky News: „Der Transport nach Europa ist noch ungewiss, und wir wissen nicht, wann und wie das geschehen wird.“
Konkret könnten im Mai und Juni bis zu 25 Prozent der geplanten Kerosinlieferungen für Ryanair gefährdet sein. Sollte sich die Situation bis in die Sommermonate hinein verschärfen, drohen noch weitreichendere Konsequenzen. O'Leary warnte: „Sollte im Juni, Juli oder August ein Risiko für 10 oder 20 Prozent der Treibstoffversorgung bestehen, müssten wir und alle anderen Fluggesellschaften damit beginnen, Flugstreichungen oder Kapazitätsreduzierungen in Betracht zu ziehen.“
Preisabschirmung bietet nur begrenzten Schutz
Ryanair hatte zuvor angegeben, etwa 80 Prozent seiner Treibstoffkosten bis zum nächsten März zu einem Preis von 67 US-Dollar pro Barrel abgesichert zu haben. Dieser Wert liegt deutlich unter dem aktuellen Marktpreis von annähernd 200 US-Dollar pro Barrel. Dennoch reicht diese Absicherung nicht aus, um die Auswirkungen der Lieferengpässe vollständig abzufedern.
Der Ryanair-Chef erwartet für den Sommer einen Anstieg der Flugpreise um mehr als drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zwar plant Ryanair derzeit keine direkten Preiserhöhungen aufgrund des Konflikts im Iran, doch sollte die Konkurrenz die Preise anheben, könnte auch die irische Airline nachziehen. Kapazitätsengpässe werden als weiterer Preistreiber genannt.
Lufthansa bereitet sich ebenfalls auf Einschnitte vor
Die Krise betrifft nicht nur Billigfluglinien. Auch der Lufthansa-Konzern, der nach eigenen Angaben bis zu 80 Prozent seines Treibstoffbedarfs abgesichert hat, stellt sich auf steigende Ticketpreise ein. Aus Frankfurt am Main heißt es, dass höhere Preise dauerhaft zu weniger Flugpassagieren führen könnten.
Nach Informationen des „Handelsblatts“ lässt Lufthansa-Chef Carsten Spohr derzeit intern prüfen, ob bis zu 40 Flugzeuge am Boden bleiben könnten. Besonders im Fokus stehen dabei Spritfresser-Jets, die ohnehin kurz vor der Ausmusterung stehen. Auf der Streichliste würden dann wenig profitable Europastrecken landen. Spohr hat die Belegschaft bereits vorsorglich auf mögliche Kurzarbeit vorbereitet.
Asien als Vorbote der Krise
Die Entwicklung in Europa folgt einem Muster, das sich bereits in Asien abzeichnet. Dort haben Fluggesellschaften verschiedener Länder bereits damit begonnen, Flüge zu streichen. Die globale Luftfahrtindustrie sieht sich somit mit einer synchronisierten Herausforderung konfrontiert, die regionale Grenzen überschreitet.
Die kommenden Wochen werden zeigen, wie sich die Lieferengpässe bei Kerosin tatsächlich entwickeln und welche Maßnahmen die Airlines ergreifen müssen, um ihren Betrieb aufrechtzuerhalten. Für Passagiere bedeutet dies möglicherweise weniger Flugverbindungen, höhere Preise und insgesamt eine unsichere Reiseplanung für den Sommer.



