Demminer KI-Gründer scheitert an Kritik: Schule distanziert sich von umstrittener Geschäftsidee
KI-Gründer aus Demmin scheitert an Kritik und fehlender Expertise

Demminer KI-Enthusiast stößt mit Geschäftsidee auf massive Skepsis

Demmin • Die Welt der Künstlichen Intelligenz (KI) entwickelt sich rasant und bietet zahlreiche Möglichkeiten. In Demmin wollte der Kraftfahrer Robert Giese diese Dynamik nutzen und sich als Existenzgründer im Bereich Zukunftstechnologien versuchen. Doch sein Vorhaben stößt nicht nur bei Lesern auf erhebliche Zweifel, sondern auch bei den örtlichen Schulen, die eine Zusammenarbeit kategorisch ablehnen.

Leser warnen vor fragwürdiger Plattform Neos7

Mehrere Leser äußerten sich kritisch zu den Plänen von Robert Giese. Besonders die von ihm genutzte Plattform Neos7 steht im Fokus der Bedenken. Mario Hermann aus Greifswald schreibt: "Der Artikel über Robert Giese und sein Unternehmen Robotic Solution Demmin hat mich nachdenklich gestimmt. Die Plattform Neos7 wird darin völlig unkritisch als 'am schnellsten wachsende Community für Zukunftstechnologie' beschrieben."

Eine kurze Recherche offenbart jedoch erhebliche Warnsignale: Das Geschäftsmodell basiert auf einem Token-System mit NB7-Coins, bei dem Nutzer Inhalte teilen und dafür digitale Vergütung erhalten. Dieses System weist Merkmale fragwürdiger Netzwerkstrukturen auf. Der wirtschaftliche Erfolg hängt strukturell vom ständigen Wachstum der Nutzerbasis ab, was typisch für Multi-Level-Marketing-Systeme ist.

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Auf einschlägigen Bewertungsportalen wie ScamAdviser und ScamDoc finden sich explizite Warnungen vor einem möglichen Schneeballsystem. Zum Zeitpunkt der Berichterstattung befand sich die Plattform noch in einer frühen Testphase ohne nachgewiesenes, funktionierendes Produkt.

Fachliche Kompetenz in Frage gestellt

Leser Oliver Loest äußert grundsätzliche Zweifel an der fachlichen Eignung: "Warum sollte ich mir von einem Kraftfahrer KI erklären lassen? Ich lasse auch nicht meine Schuhe beim Bäcker reparieren. Der Mann möchte Kindern die Welt erklären und kann sich nicht mal einen Laptop leisten?"

Loest weiter: "Für mich ist das ein verzweifelter Versuch. Gut, dass da im Arbeitsamt jemand zu arbeiten scheint, der noch Durchblick hat und das nicht bewilligt. Manche Leute sollten besser vor sich selbst geschützt werden."

Schulen lehnen Zusammenarbeit ab

Die Regionale Schule "Fritz Reuter" Demmin distanziert sich deutlich von einer möglichen Kooperation mit Robert Giese. Schulleiter Dirk Wulf erklärt: "Die im Artikel genannte Zusammenarbeit mit Herrn Giese wird nicht zustandekommen. Ebenfalls streben die anderen Schulen in Demmin keine Zusammenarbeit mit Herrn Giese an."

Die Ablehnung begründet Wulf nicht mit Technologiefeindseligkeit, sondern mit fachlichen Defiziten: "Dies liegt an der Unfähigkeit von Herrn Giese, sein Konzept mit Fachwissen und nötiger Expertise zu untermauern. Er war mit unserem Informatikkollegium im Gespräch, aber konnte grundlegende Fachbegriffe nicht einordnen."

Besonders problematisch seien die mangelnden Kenntnisse im Datenschutz: "Er hatte keine Kenntnis von den gesetzlichen Regularien, insbesondere der SchulDSVO-MV. Ebenso mangelte es ihm an der Selbstreflektion im Umgang mit den Anforderungen im Bereich Schule und Pädagogik."

Weitere Vorfälle belasten Vertrauen

Nach dem Gespräch mit der Schule erhob Robert Giese eine unrechtmäßige Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Fachleiter, den er fälschlicherweise für den Schulleiter hielt. Schulleiter Wulf dazu: "Dies weist darauf hin, dass er sich weder auf das Gespräch vorbereitet noch sich mit der Schulorganisation auseinandergesetzt hat, obwohl sein Sohn hier zur Schule ging."

Die Schule möchte diese Punkte klarstellen, "um Missverständnisse und Fehleinschätzungen seiner Kompetenzen zu vermeiden". Die Distanzierung der Bildungsinstitution unterstreicht die erheblichen Zweifel an der Tragfähigkeit der Geschäftsidee.

Das Beispiel aus Demmin zeigt, dass Enthusiasmus für Zukunftstechnologien allein nicht ausreicht. Fachliche Kompetenz, seriöse Geschäftsmodelle und die Einhaltung rechtlicher Rahmenbedingungen bleiben essentielle Voraussetzungen für erfolgreiche Existenzgründungen im Technologiebereich.

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