Lindner und Grupp fordern Bürokratieabbau und bessere Investitionsbedingungen für Unternehmen
Der frühere Bundesfinanzminister Christian Lindner und die Unternehmerin Bonita Grupp haben bei einer Veranstaltung in Hannover deutliche Verbesserungen der Rahmenbedingungen für Unternehmen in Deutschland gefordert. Beim Kamingespräch der Stiftung Niedersächsische Wirtschaftsforschung kritisierten beide vor allem die wachsende Bürokratie, hohe Steuern und regulatorische Hürden, die Investitionen und Wachstum behindern würden.
Lindner: Verzicht auf neue Vorschriften als erster Schritt
Der 47-jährige Christian Lindner, der über ein Jahrzehnt Bundesvorsitzender der FDP war und heute als Unternehmer und Berater tätig ist, betonte: „Der erste Schritt zum Abbau von Bürokratie ist der Verzicht auf neue.“ Aus seiner Sicht binden neue Vorschriften zu viel Geld und Arbeitszeit in Unternehmen, die stattdessen für Wachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen genutzt werden könnten.
Lindner, der seit wenigen Monaten stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Autoland AG ist, warnte davor, dass Kapital und Wachstum in andere Länder abwandern könnten, wenn Deutschland keine attraktiveren Investitionsbedingungen schaffe. Er forderte konkrete Maßnahmen zur Reduzierung der regulatorischen Last für Unternehmen.
Grupp: Energiepreise und Fachkräftemangel als Hauptprobleme
Bonita Grupp, die 36-jährige Co-Geschäftsführerin des familiengeführten Textilherstellers Trigema und Tochter von Wolfgang Grupp, verwies auf weitere Herausforderungen für produzierende Unternehmen in Deutschland. Sie nannte insbesondere die hohen Energiepreise, den Fachkräftemangel und die zunehmenden Probleme bei der Gewinnung von qualifizierten Beschäftigten.
Die Unternehmerin schilderte die aktuelle Lage ihres Unternehmens, das trotz aller Schwierigkeiten weiterhin in Deutschland produziert. Trigema investiere verstärkt in Energieunabhängigkeit, Digitalisierung und Automatisierung, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Gleichzeitig werde es jedoch immer schwieriger, Fachkräfte zu finden, da in den kommenden Jahren viele Beschäftigte in den Ruhestand gehen werden.
Wissenschaftliche Perspektive: Innovationen im Land halten
Die Politökonomin Cornelia Woll, Präsidentin der Hertie School, betonte bei der Veranstaltung, dass Deutschland weiterhin innovativ sei. Die größere Herausforderung bestehe jedoch darin, diese Innovationen im Land zu halten und weiterzuentwickeln. Dafür seien weniger bürokratische Hemmnisse und bessere Bedingungen für Investitionen in Europa notwendig.
Woll unterstützte damit die Forderungen von Lindner und Grupp nach einer Entlastung der Unternehmen von übermäßiger Regulierung. Sie wies darauf hin, dass nur durch verbesserte Rahmenbedingungen die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen langfristig gesichert werden könne.
Hintergrund der Veranstaltung
Das Kamingespräch fand in Hannover statt und wurde von der Stiftung Niedersächsische Wirtschaftsforschung organisiert. Christian Lindner ist neben seiner unternehmerischen Tätigkeit auch Mitglied des Kuratoriums der Stiftung Familienunternehmen und Politik. Die Diskussion verdeutlichte die wachsende Sorge vieler Wirtschaftsvertreter über die Standortattraktivität Deutschlands.
Die Forderungen nach Bürokratieabbau, steuerlicher Entlastung und besseren Investitionsbedingungen spiegeln aktuelle Debatten in der Wirtschaftspolitik wider. Experten warnen regelmäßig vor einer Abwanderung von Kapital und Know-how, wenn die Rahmenbedingungen für Unternehmen sich nicht verbessern.



