Neue Streikwelle bei Lufthansa legt Flugverkehr lahm
Der erneute Pilotenstreik bei der Lufthansa hat zu massiven Flugausfällen geführt und die Fronten zwischen den Gewerkschaften und dem Unternehmen weiter verhärtet. Bereits die dritte Streikwelle in der laufenden Auseinandersetzung um höhere Betriebsrenten sorgt für erhebliche Beeinträchtigungen im Luftverkehr.
Hunderte Flüge fallen aus
Allein am Frankfurter Flughafen wurden für die beiden Streiktage mehr als 1.100 Starts und Landungen abgesagt. In München fielen 710 Flugbewegungen aus. Die Lufthansa versuchte, etwa die Hälfte der Langstreckenflüge aufrechtzuerhalten, während auf der Nah- und Mittelstrecke nur jeder dritte Flug stattfand. Tausende Passagiere mussten ihre Reisepläne kurzfristig ändern.
Verhärtete Fronten zwischen Management und Gewerkschaften
Personalvorstand Michael Niggemann warnte die Spartengewerkschaften Vereinigung Cockpit (VC) und Ufo davor, ihren Konfrontationskurs fortzusetzen. „Jeder Streik verkleinert die betroffene Fluggesellschaft“, betonte der Manager mit Blick auf die entstehenden Kosten. Vorstandschef Carsten Spohr stellte klar, dass der Konzern vor den Streiks nicht einknicken werde: „Lieber einige Tage mit einem streikbedingt reduzierten Angebot der Lufthansa-Gruppe als irgendwann dauerhaft mit einer deutlich reduzierten Kernmarke.“
Erster Streik bei Eurowings
Erstmals wurde auch der Ferienflieger Eurowings für einen Tag bestreikt. Die VC hatte die Piloten der Lufthansa Kerngesellschaft, der Lufthansa Cargo und der Regionaltochter Lufthansa Cityline zu Arbeitsniederlegungen bis einschließlich Dienstag aufgerufen. Bei Eurowings konnten etwa 60 Prozent des ursprünglichen Plans geflogen werden, da die in Malta registrierte Eurowings Europe nicht unter deutsches Tarifrecht fällt und Partner-Airlines unterstützten.
Proteste zum 100-jährigen Jubiläum angekündigt
Die Gewerkschaften zeigen sich entschlossen, ihren Protest auch auf die für Mittwoch angesetzte Feierstunde zum 100. Jahrestag der Lufthansa-Gründung zu tragen. Eine Kundgebung vor dem neuen Tagungs- und Besucherzentrum am Flughafen ist angemeldet. Zu der Feierstunde wird unter anderen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erwartet.
Gewerkschaften machen Lufthansa verantwortlich
VC-Präsident Andreas Pinheiro machte die Lufthansa für die erneute Streikwelle verantwortlich: „Trotz eines bewussten Verzichts auf Streikmaßnahmen über die Osterfeiertage blieben ernstzunehmende Angebote aus. In dieser Zeit gab es weder eine Reaktion noch erkennbare Gesprächsbereitschaft seitens der Arbeitgeber.“ Ein Angebot, das an anderer Stelle gegenfinanziert werden solle, sei für die VC nicht tragfähig.
Strategischer Kurs des Managements
Personalchef Niggemann begründete den harten Kurs des Managements mit der Wettbewerbsfähigkeit der Kerngesellschaft „Lufthansa Classic“, die auf vielen Strecken bereits heute nicht mehr wettbewerbsfähig sei. „Es geht um die Zukunftsfähigkeit der Classic“, so Niggemann. Der Vorstand führt die Unprofitabilität der Kerngesellschaft unter anderem auf hohe Gehälter und starre Dienstpläne der Crews zurück.
Neue Flugbetriebe wachsen auf Kosten der Kernmarke
In den vergangenen Jahren wurden mit Discover und City Airlines neue Flugbetriebe gegründet, die kostengünstiger unterwegs sein sollen. Zum Jahreswechsel stellten sie 45 von insgesamt 387 Passagierflugzeugen unter der Marke Lufthansa und sollen in den kommenden Jahren stark wachsen. Bei den Tarifverträgen blieben die Spartengewerkschaften außen vor, während Verdi entsprechende Verträge für das fliegende Personal machte.
Ausnahmen für Nahost-Flüge
Vor dem Hintergrund der aktuellen Situation im Nahen Osten sind Flüge von Lufthansa und Lufthansa Cityline aus Deutschland zu bestimmten Destinationen vom Streik ausgenommen. Dazu gehören Aserbaidschan, Ägypten, Bahrain, Irak, Israel, Jemen, Jordanien, Katar, Kuwait, Libanon, Oman, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate.
Passagiere wurden auf den Internetseiten sowohl der Lufthansa als auch der Flughäfen gebeten, den Status ihres Fluges rechtzeitig online zu prüfen und gegebenenfalls ihre Airline oder den Reiseveranstalter zu kontaktieren.



