Historisches Urteil gegen Ticket-Giganten
In einem wegweisenden Kartellverfahren in den Vereinigten Staaten hat der größte US-Ticketvermarkter eine deutliche Niederlage erlitten. Ein Geschworenengericht in New York City urteilte am Mittwoch, dass Live Nation Entertainment und seine Tochtergesellschaft Ticketmaster illegal ein Monopol aufgebaut haben. Der kalifornische Generalstaatsanwalt Rob Bonta bezeichnete das Urteil als „historischen Sieg“ für Künstler, Fans und Veranstaltungsorte gleichermaßen.
Vorwürfe und Konsequenzen
Den Unternehmen wird wettbewerbswidriges Verhalten vorgeworfen, das zu überhöhten Preisen für Konzertbesucher führte und der gesamten Musikindustrie Schaden zufügte. Richter Arun Subramanian muss nun über die konkreten Konsequenzen entscheiden. Zur Diskussion stehen:
- Umfangreiche Schadenersatzzahlungen an Geschädigte
- Weitreichende Auflagen für die Geschäftspraktiken
- Die härteste mögliche Maßnahme: eine gerichtlich angeordnete Aufspaltung von Live Nation und Ticketmaster
New Yorks Generalstaatsanwältin Letitia James erklärte dazu: „Live Nation und Ticketmaster haben viel zu lange Fans und Künstler ausgenutzt, indem sie die Ticketpreise erhöht und jegliche Konkurrenz, die ihre Marktposition bedrohte, unterdrückt haben.“
Unternehmen kündigt Widerstand an
Live Nation zeigt sich trotz des Urteils kämpferisch. Der Konzern verwies darauf, dass noch mehrere Anträge vom Richter geprüft werden müssten. Sollten diese zurückgewiesen werden, plant das Unternehmen, in Berufung zu gehen. Ticketmaster steht bereits seit Jahrzehnten in der Kritik wegen hoher Servicegebühren und Ticketkosten.
Hintergrund des Verfahrens
Der damalige US-Präsident Joe Biden hatte den Fall vor knapp zwei Jahren ins Rollen gebracht. Das US-Justizministerium und 40 Bundesstaaten gingen juristisch gegen Live Nation Entertainment vor. Wenige Tage nach Prozessbeginn im März einigte sich das Unternehmen zwar außergerichtlich mit dem Justizministerium auf Entschädigungszahlungen und den Verkauf mehrerer Veranstaltungsorte. Doch ein Bündnis von Bundesstaaten trieb die Kartellklage vor Gericht weiter voran.
Kritik und aktuelle Entwicklungen
Besonders deutlich wurde die Kritik an Ticketmaster während des Eintrittskartenverkaufs für die „Eras“-Tournee von Popstar Taylor Swift. Fans hingen stundenlang in Online-Warteschleifen fest und beklagten überzogene Preise. Live Nation hatte Ticketmaster im Jahr 2010 übernommen und ist seitdem zu einem globalen Riesen der Live-Event-Branche aufgestiegen. Im vergangenen Jahr organisierte das Unternehmen weltweit mehr als 55.000 Veranstaltungen, die von 159 Millionen Menschen besucht wurden.
Eine Entscheidung über die Höhe der Strafe steht noch aus. Live Nation rechnet nach eigenen Angaben mit Zahlungen von weniger als 350 Millionen Dollar. Die endgültigen Konsequenzen dieses historischen Urteils für die Live-Entertainment-Branche bleiben abzuwarten.



