Uckerkaas-Produktion endet nach 25 Jahren: Enkelin (23) führt Familienbetrieb in neue Ära
Uckerkaas-Produktion endet: Enkelin führt Betrieb neu

Das Aus für eine regionale Käse-Ikone: Uckerkaas-Produktion wird eingestellt

In der Uckermark nahe Prenzlau geht eine Ära zu Ende. Nach mehr als 25 Jahren stellt die niederländische Familie Wolters die Produktion ihres beliebten Uckerkaas ein. Die Entscheidung fiel nicht leicht, wie die 23-jährige Enkelin des Gründers, Amy Wolters, im Gespräch mit dem Nordkurier betonte.

Tradition seit der Wende

Seit den frühen 1990er Jahren betrieb die Familie Wolters in Bandelow nicht nur Landwirtschaft mit eigener Milchviehherde, sondern veredelte die Milch auch nach traditioneller holländischer Art zu Käsespezialitäten. 1999 gründeten sie ihre eigene Käserei, und bereits 2001 kam der erste Uckerkaas auf den Markt. Bis heute genießen die Erzeugnisse mit Geschmacksrichtungen wie Kümmel, Gartenkräutern und Bärlauch einen hervorragenden Ruf und sind deutschlandweit in Regalen und auf Frühstücksbüfetts zu finden.

Wirtschaftlicher Druck und regulatorische Hürden

Die Entscheidung zur Einstellung der Käseproduktion begründet Junior-Chefin Amy Wolters mit stark gestiegenen Energiepreisen, wachsenden regulatorischen Anforderungen und dem zunehmenden wirtschaftlichen Druck auf kleine handwerkliche Betriebe. „Eine rentable Fortführung der hofeigenen Käseherstellung ist heute kaum noch möglich“, bedauerte die 23-Jährige. Diese Entscheidung sei der Familie besonders schwergefallen, da der Käse einst den Ursprung der gesamten Unternehmensentwicklung markierte.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Zwei gute Nachrichten für Mitarbeiter und Kunden

Trotz des Endes der Uckerkaas-Ära gibt es positive Entwicklungen:

  • Keine Kündigungen: Im Zuge der Umstrukturierung wird es laut Geschäftsführung keine Entlassungen geben.
  • Neuer Hofladen: Das bisherige „Käsestübchen“ wurde in die große Q-Regio-Halle in Bandelow umverlagert, um ein moderneres Einkaufserlebnis zu schaffen.
  • Weiterproduktion beliebter Artikel: Das Unternehmen wird weiterhin Eis, Softeis, Fruchtaufstriche, Liköre und Sirupe – darunter die Marke „Uckermärker Fruchtzauber“ – herstellen.

Generationswechsel bringt frischen Wind

Der Übergang von Gründer Pieter Wolters zu seiner Enkelin Amy symbolisiert einen wichtigen Abschnitt in der Unternehmensentwicklung. „Der Generationswechsel bringt frischen Wind, neue Ideen und eine klare strategische Weiterentwicklung mit sich“, erklärte die Junior-Chefin. Sichtbar werde dieser Wandel nicht nur durch den neuen Hofladen, sondern auch durch die geplante Bündelung der Produktion in der Q-Regio-Halle.

Käse bleibt im Sortiment – aber von Partnern

Obwohl die eigene Käseproduktion endet, wird Käse weiterhin ein fester Bestandteil des Q-Regio-Sortiments bleiben. Zukünftig wird der Käse von ausgewählten Partnerbetrieben bezogen, darunter traditionelle Hersteller aus der niederländischen Heimat der Familie Wolters sowie aus anderen regionalen Manufakturen. Damit bleibt Q-Regio seinen Kernwerten treu: Regionalität, Partnerschaft und Qualität.

Q-Regio als Vermarktungsplattform

Parallel zur Käseproduktion entwickelte die Familie Wolters die mehrfach ausgezeichnete Vermarktungsplattform Q-Regio. Von Bandelow aus florierte der Handel mit einheimischen Produkten. Heute vertreibt Q-Regio über tausend Erzeugnisse von mehr als 70 Herstellern. 70 Prozent der Lieferungen gehen an Wiederverkäufer wie die „Karls Höfe“ an der Küste, der Rest an Privatkunden.

Positive Aussichten trotz Veränderungen

Verkaufsleiterin Nancy Dräger, die seit 21 Jahren im Unternehmen tätig ist, bilanzierte, dass das Jahr 2026 nach einem durchwachsenen Vorjahr erstaunlich positiv gestartet sei. Die Umsatzzahlen machten Hoffnung für eine Ära nach dem Uckerkaas. Wer jedoch noch einen der beliebten Laibe in den verschiedenen Geschmacksrichtungen probieren möchte, sollte sich beeilen: Der Verkauf des eigenen Käses läuft Ende 2026 aus.

Amy Wolters fasste abschließend zusammen: „Q-Regio bleibt seinen Werten treu, entwickelt sich aber konsequent weiter. So wird aus einer gewachsenen Tradition heraus der nächste Schritt gemacht: hin zu einer nachhaltigen, zukunftsfähigen Regionalvermarktung, die Produzenten verbindet und Kunden weiterhin hochwertige, authentische Produkte aus der Region bietet.“

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration