Berliner Grundschule warnt Anwohner vor eigenen Schülern: „Wenden Sie sich an die Polizei“
Berliner Schule warnt Nachbarn vor eigenen Schülern

Berliner Grundschule warnt Anwohner vor eigenen Schülern: „Wenden Sie sich an die Polizei“

Wie verzweifelt müssen Lehrer und Schulleitung einer Berliner Grundschule sein, wenn sie die Anwohner vor ihren eigenen Schülern warnen? In einem offenen Brief rät die Jane-Goodall-Grundschule im Stadtteil Friedrichshain den Bürgern, sich bei Problemen mit Schulkindern direkt an die Polizei zu wenden. Dieses bemerkenswerte Schreiben offenbart ein tiefgreifendes Versagen im Umgang mit Gewalt und Unruhe in der neu eingerichteten Schulzone.

Schulzone wird zum Brennpunkt für Gewalt und Drogen

Das grün geführte Bezirksamt richtete im vergangenen Jahr eine Schulzone an der Scharnweberstraße ein, um den Bereich vor der Grundschule vom Autoverkehr zu beruhigen. Poller sperren die Durchfahrt für Autos, während Blumenkübel, Bänke und eine Tischtennisplatte die Fahrbahn schmücken. Doch statt Ruhe herrscht Chaos: Die Schulzone lädt Schüler dazu ein, sich lange nach dem Unterricht dort aufzuhalten, und abends gesellen sich andere Gruppen junger Erwachsener hinzu.

Anwohner berichten von ausgeuferter Gewalt, Alkoholkonsum bis in die Nacht, Kiffen und Drogenhandel. Die Schule selbst bestätigt in ihrem Brief: „In jüngster Zeit hören wir verstärkt von Auseinandersetzungen unserer Schüler miteinander und mit Passanten in der Schulzone.“ Allerdings schiebt die Schulleitung die Verantwortung von sich: Die Schulzone sei ein öffentlicher Raum und nicht Teil des Schulgeländes.

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Schule rät Anwohnern zur Polizei – CDU-Politikerin entsetzt

Die Schulleitung empfiehlt den Anwohnern, sich bei Fehlverhalten der Kinder zunächst selbst einzumischen: „Wenn Sie sich das nicht zutrauen, wenden Sie sich an unseren Polizeiabschnitt. Schützen Sie andere und Ihr eigenes Kind.“ Diese Aufforderung stößt auf scharfe Kritik. Marita Fabeck, Bezirksverordnete der CDU, zeigt sich entsetzt: „Es ist nicht die Aufgabe der Bürger, sich um die Kinder zu kümmern. Anwohner sind keine Erziehungsberechtigten.“ Sie bemängelt, dass sich niemand verantwortlich fühle, und verweist auf ein bereits im November bekanntes Problem, als die Schule von einem „Klima der Angst“, Mobbing, Schlägereien und Einschüchterung sprach.

Verwaltung spielt Probleme herunter – Schulzone als Fehlkonzept

Die Bildungsverwaltung versucht, die Situation zu verharmlosen. Auf Anfrage heißt es, es handele sich um öffentliches Straßenland mit vereinzelten Spannungen zwischen Schülern und Anwohnern. Die Schule arbeite mit dem Präventionsbeauftragten der Polizei zusammen, um das Problem zu beheben. Doch Marita Fabeck kritisiert die Schulzone als nicht zu Ende gedachtes Konzept: „Das Etikett heißt zwar ‚Für Kinder‘, es schafft aber sehr viele neue Probleme: viel Lärm, Gruppen, die herumsitzen, feiern, trinken, Belästigung und Unruhe.“

Die Situation an der Jane-Goodall-Grundschule zeigt, wie gut gemeinte Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung in einem Brennpunkt für soziale Konflikte umschlagen können. Während die Schule die Anwohner auffordert, die Polizei einzuschalten, bleibt die Frage nach langfristigen Lösungen und einer klaren Verantwortungszuweisung unbeantwortet. Die Gewaltspirale in der Schulzone scheint sich weiterzudrehen, während Betroffene zwischen Schulleitung, Bezirksamt und Polizei hin- und hergeschoben werden.

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