Spürbarer Kostenfaktor: Warum so viel Besteck aus Bayerns Mensen verschwindet
In den Mensen bayerischer Hochschulen können Studierende vergleichsweise günstig speisen. Doch nicht alle geben nach dem Essen Besteck und Geschirr wieder ab – Diebstahl ist dabei ein Thema. Allerdings gibt es weitere, oft unterschätzte Gründe für den kontinuierlichen Schwund, der mancherorts erhebliche finanzielle Belastungen verursacht.
Diebstahl, Bruch und Bequemlichkeit als Hauptursachen
Teilweise handelt es sich tatsächlich um Diebstahl, wie Michael Noghero vom Studierendenwerk Augsburg schildert. "In einem großen, vermeintlich anonymen Betrieb wie einer Mensa ist das Unrechtsbewusstsein bei der unerlaubten Mitnahme offenbar nicht so groß, da manche Gäste meinen, sie würden niemandem schaden", erklärt er. Doch der notwendige Nachkauf führt zu höheren Essenspreisen für alle.
Häufig werde Geschirr jedoch auch aus reiner Bequemlichkeit nicht zurückgebracht und einfach dort stehen gelassen, wo die Mahlzeit verzehrt wird – was nicht immer in der Mensa selbst geschieht. "Außerdem ist viel von unserem Geschirr in Büros und Konferenzräumen der Beschäftigten", berichtet Noghero. Diese Beobachtung teilt Nicolas Müller vom Studierendenwerk Niederbayern/Oberpfalz: "Aus zurückliegenden Rückgabeaufrufen wissen wir, dass in den von den Mitarbeitenden genutzten Teeküchen am Campus auch Besteck und Geschirr aus der Mensa oder Cafeteria lagern."
Neben Diebstahl und Bequemlichkeit tragen auch Bruch, Verschleiß und Fehlentsorgung bei der Reinigung erheblich zum Schwund bei. Diese Faktoren werden oft übersehen, haben jedoch einen großen Anteil am Gesamtverlust.
Hohe Kosten für Nachbestellungen belasten Budgets
"Insgesamt stellen die Nachbeschaffungen für Geschirr und Besteck einen spürbaren Kostenfaktor in unserem Budget dar", betont Julia Wölfle, Sprecherin des Studierendenwerks München/Oberbayern. Die Zahlen verdeutlichen das Ausmaß:
- In den niederbayerischen und oberpfälzischen Mensen mussten zwischen 2023 und 2025 mehr als 50.000 Besteckteile nachbestellt werden.
- Pro Jahr fallen dafür hohe vierstellige bis niedrige fünfstellige Beträge an.
- In Augsburg gehen jährlich rund 4000 Besteckteile und 3400 Kaffeetassen verloren, was Kosten von etwa 10.000 Euro verursacht.
Diese Ausgaben belasten die Budgets der Studierendenwerke und können indirekt zu Preiserhöhungen in den Mensen führen.
Regionale Unterschiede und kreative Gegenmaßnahmen
Beim Thema Besteckschwund gibt es offenkundige regionale Unterschiede. "In den letzten zehn Jahren hat der Schwund deutlich zugenommen, obwohl wir es unseren Gästen noch einfacher machen, Geschirr bequem zurückzugeben, und viele Mehrwegoptionen anbieten", schildert Noghero aus Augsburg. In Niederbayern/Oberpfalz bewegt sich das Phänomen hingegen seit Jahren auf unverändertem Niveau. Aus Würzburg und Erlangen-Nürnberg heißt es, dass Diebstahl von Besteck und Geschirr dort derzeit kein besonders auffälliges Problem darstellt.
Die Verantwortlichen setzen meist weniger auf Kontrolle und Abschreckung als auf pragmatische und kreative Lösungen:
- Pfandsysteme: Für Kaffeebecher sind Pfandsysteme gängig, um die Rückgabe zu incentivieren.
- Holzstäbchen: Als umweltfreundliche Einweg-Alternative zu Kaffeelöffeln werden Holzstäbchen eingesetzt.
- Mehrweg-Leihsysteme: Für Tassen, Schüsseln und sogar Pizzaboxen gibt es Außer-Haus-Mehrweg-Leihsysteme.
- Cupsharing: In München können Gäste und Mitarbeitende Tassen von zu Hause mitbringen und in einen Tassenpool geben, wo sie gereinigt und wiederverwendet werden.
- Eigene Behälter: In Würzburg kann Essen in mitgebrachte Behälter umgefüllt werden, um Geschirrverlust zu reduzieren.
Spezifisches Phänomen für Mensen
Interessanterweise scheint das Phänomen des Besteck- und Geschirrdiebstahls recht spezifisch für Mensen zu sein. Eine Abfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab, dass es etwa in den 31 Mitarbeiterrestaurants im Eigenbetrieb der Firma Siemens – mit bundesweit rund 30.000 Gästen pro Tag – zu keinem signifikanten Schwund kommt. Auch die Restaurantkette L'Osteria mit Sitz in München hat damit "glücklicherweise kein Problem". Aus dem bayerischen Landtag heißt es, dass dort weder in der Kantine noch in der Gaststätte nennenswerte Verluste an Besteck oder Geschirr zu verzeichnen seien.
Dies unterstreicht, dass die Herausforderungen in Hochschulmensen einzigartig sind und spezifische Lösungen erfordern, um die Kosten im Griff zu behalten und gleichzeitig ein gastfreundliches Umfeld zu erhalten.



