Brandenburgs Bildungsminister Hoffmann startet neues Programm gegen steigende Zahl von Schulabgängern ohne Abschluss
Brandenburg: Neues Programm gegen Schulabgänger ohne Abschluss

Steigende Zahlen ohne Schulabschluss in Brandenburg: Minister Hoffmann startet Gegenoffensive

Die Situation an Brandenburgs Schulen gibt Anlass zur Sorge: Die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Während zum Ende des Schuljahres 2019/2020 noch 1.134 Schülerinnen und Schüler ohne berufliche Reife die Schule verließen, waren es im Schuljahr 2023/2024 bereits 1.897 von insgesamt 24.643 Schulabgängern. Der Anteil erhöhte sich damit von 5,2 Prozent auf 7,7 Prozent innerhalb von vier Jahren – ein alarmierender Trend, dem Bildungsminister Gordon Hoffmann (CDU) nun mit einem neuen Programm entgegenwirken will.

Individuelle Ansätze statt Patentrezepte

„Natürlich ist jeder Schüler, der die Schulzeit ohne Abschluss beendet, einer zu viel“, betonte Hoffmann im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Der Minister verwies darauf, dass die Gründe für Schulabbruch oft sehr persönlich seien und es daher kein universelles Gegenmittel geben könne. Stattdessen setzt das Bildungsministerium auf individuelle Förderung und Motivation durch Lehrkräfte. „Wir wollen alle Schülerinnen und Schüler gut auf den Übergang ins Ausbildungs- und Berufsleben vorbereiten“, so Hoffmann weiter. Dabei spiele das Zusammenspiel verschiedener Faktoren eine Rolle – Probleme in der Schule, familiäre Schwierigkeiten oder individuelle Beeinträchtigungen könnten dazu führen, dass Jugendliche die Schule vorzeitig verlassen.

Neues Landesprogramm „Duales Lernen“ verbindet Theorie und Praxis

Kernstück der neuen Strategie ist das erst kürzlich gestartete Landesprogramm „Duales Lernen“. Dieses richtet sich speziell an Ober- und Gesamtschulen und soll theoretisches Lernen in der Schule mit praxisorientiertem Lernen am Schulstandort oder an externen Lernorten verzahnen. Der Fokus liegt auf den Klassen 7 bis 10, wo das Vorwissen aus der Schule mit neuen Erkenntnissen und Erfahrungen in anderen Lernzusammenhängen erweitert werden soll. SPD und CDU haben im Koalitionsvertrag vereinbart, dass Ober- und Gesamtschulen durch dieses Programm gezielt gestärkt werden sollen.

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Beim „Dualen Lernen“ sind Ideen auf Grundlage bestehender Vorschriften möglich, aber mit Genehmigung des Bildungsministeriums auch außerhalb des Schulgesetzes. So könne beispielsweise außerhalb der Kernfächer auf bestimmte Inhalte verzichtet werden, um mehr Raum für Praxislernen zu schaffen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zeigt sich grundsätzlich interessiert, mahnt jedoch an, dass Förderung früher ansetzen müsse. Landeschef Günther Fuchs kritisierte, es gebe derzeit zu wenig Chancen für individuelle Förderangebote.

Acht Produktionsschulen bieten zusätzliche Unterstützung

Für junge Menschen zwischen 15 und 27 Jahren, die bereits die Schule verlassen haben, gibt es ergänzend das Angebot der berufs- und sozialpädagogischen Unterstützung. Acht Produktionsschulen der Landkreise und kreisfreien Städte sollen leistungsschwachen Schulabgängern – die oft ohne Schulabschluss sind – zu einer Berufsausbildung verhelfen. Diese Einrichtungen zielen darauf ab, soziale Benachteiligungen auszugleichen und individuelle Beeinträchtigungen zu überwinden. Landesweit stehen laut Ministerium rund 200 Plätze an den Produktionsschulen zur Verfügung.

Der Präsident des Brandenburgischen Pädagogen-Verbands, Hartmut Stäker, verwies darauf, dass erst im Sommer feststehen werde, welche Schulen welche Form des Programms wählten. Bis dahin bleibt abzuwarten, wie wirksam die neuen Maßnahmen gegen den besorgniserregenden Trend sein werden. Bildungsminister Hoffmann bleibt jedoch optimistisch: Mit dem „Dualen Lernen“ und den Produktionsschulen seien wichtige Schritte getan, um Brandenburgs Jugendlichen bessere Perspektiven zu eröffnen.

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