Désirée Nick: Vom Dschungelcamp in den Hörsaal
Die Entertainerin Désirée Nick erfindet sich erneut neu und kehrt dabei zu ihren pädagogischen Wurzeln zurück. Die 69-Jährige wird Professorin honoris causa an der Macromedia University in München und hält dort viermal jährlich Vorlesungen zum "Berufsbild Reality-Star". Parallel startet ihre neue Show "Die Realitystar Academy" auf Joyn.
Von der Religionslehrerin zur Trash-Trainerin
Dass sie einmal im Hörsaal stehen würde, überrascht Nick nicht: "Der Herrgott muss es geahnt haben. Er muss diese Bestimmung von Anfang an für mich geplant haben", sagt sie lachend im AZ-Interview. Tatsächlich blickt sie auf pädagogische Erfahrungen zurück: Anfang der Achtziger arbeitete sie als Religionslehrerin in Berlin und war zusätzlich als Jugendseelsorgerin in der Jugendstrafanstalt Plötzensee tätig.
"Ich glaube, ich war vor allem empathisch. Man muss zuhören und Menschen lesen können", erklärt Nick. Diese Fähigkeiten kämen ihr heute auch im Reality-TV zugute. Die prägende Zeit habe ihr gezeigt, wie wichtig es sei, Menschen wirklich zu verstehen, bevor man von ihnen etwas verlange.
Neue Show mit klarem Anspruch
Am 16. April startet "Die Realitystar Academy", in der Nick als Academy-Direktorin 18 Kandidaten durch eine harte Schule des Reality-TVs führt. Ihr Anspruch ist unmissverständlich: "Viele halten Reality-TV für einen Betriebsausflug oder eine Partysause. Nein! Das ist ein ernst zu nehmendes Metier, wofür man Kompetenz, Talent und Expertise braucht."
Erstmals in ihrer Karriere agiert Nick dabei als TV-Moderatorin: "Es wird Zeit, dass endlich mal eine Gastgeberin kommt, die auch sprechen kann. Ich fange sehr viele Defizite auf, die von anderen überhaupt nicht bedient werden."
Scharfe Kritik an der Branche
Nick übt deutliche Kritik an aktuellen Entwicklungen im Reality-TV. Während früher Persönlichkeiten mit echter Vita in Formate kamen, sehe sie heute eine Generation, die vor allem auf Selbstdarstellung setze. "Mittlerweile gehen viele für relativ kleines Geld in Reality-Formate, weil sie auf Follower hoffen – und glauben, ihre bloße Präsenz reicht", moniert die 69-Jährige.
Besonders kritisch äußert sie sich über die Besetzungspraxis: "Wäre eine Cathy Hummels ohne Ex Mats Moderatorin geworden? Der Vorwurf geht an Leute, die so jemanden besetzen und sich für diese vermeintlich geniale Idee feiern." Ähnliches gelte für Collien Fernandes und ihre "Traumschiff"-Rolle.
Strenge Mentorin mit Prinzipien
In ihrer neuen Doppelrolle als Professorin und Academy-Direktorin bleibt Nick sich treu. Sie versteht sich als Mentorin mit klaren Regeln: "Ich bin fair und streng. Ich lobe genauso, wie ich kritisiere – und treffe Entscheidungen nicht nach Sympathie, sondern nach Leistung."
Der Gewinner ihrer Academy erhält keine Geldprämie, sondern eine echte Karrierechance: den Einzug ins Format "Forsthaus Rampensau Germany". "Da kann ich nicht einfach jemanden durchwinken, der langweilt", stellt Nick klar. Sie denke auch an die Zukunft der Teilnehmer: "Für viele ist es wirklich besser, wenn man denen sagt, dass sie etwas Ordentliches lernen sollen."
Privates: Mehr Leichtigkeit und vielleicht neue Liebe
Neben ihren beruflichen Projekten setzt sich Nick auch private Ziele für 2026: "Ich möchte weniger arbeiten und mein Privatleben mehr genießen – und vielleicht auch wieder mit der Liebe liebäugeln, vielleicht sogar mit einem Mann", verrät sie offen.
Ganz ohne Interessenten sei sie nicht: "Ich habe mehrere Bewerber und bin derzeit mit Aussieben beschäftigt." Ihre Ansprüche seien allerdings hoch. Da ihr Privatleben sich hauptsächlich in Großbritannien abspiele und die aktuellen Anwärter alle nur Englisch sprächen, bleibe unklar, ob sie eine neue Liebe öffentlich machen würde.
Stolz auf den Sohn
Besonders stolz ist Nick auf ihren Sohn Oscar (29), der die britische Staatsangehörigkeit besitzt: "Das Welfenhaus hat noch nie einen solchen Diamanten in seinen Kreisen gehabt, weil mein Sohn in diesem ganzen Stammbaum der Erste ist, der drei Universitätsabschlüsse hat." Nach einem Studium in St. Andrews und vier Jahren als Offizier bei der britischen Armee arbeite er heute in der Cyber-Security.
Nach Jahren voller Disziplin will sich die Entertainerin nun mehr Leichtigkeit erlauben. Oder wie sie es selbst formuliert: "I wanna have more fun."



