Eltern in der Seenplatte bangen um Zukunft der Kreismusikschulen
In der malerischen Seenplatte herrscht bei vielen Eltern von Musikschülern eine tiefe Verunsicherung. Während die Freude an der Musik und die Erfolge bei Wettbewerben ungebrochen sind, wächst die Sorge um die strukturelle Zukunft der Einrichtungen, die diese kulturelle Bildung erst ermöglichen.
Gerüchte über Privatisierung sorgen für Unruhe
Hartnäckig kursieren Vermutungen, dass die Kreismusikschulen Kon.centus und Müritz in eine gemeinnützige GmbH überführt werden könnten. Dirk Rautmann, Amtsleiter für Zentrale Dienste und das Schulverwaltungsamt, stellt jedoch energisch klar: „Als Träger beider Musikschulen stehen wir jeden Tag extrem in der Verantwortung, und daraus ziehen wir uns in keinster Weise zurück.“ Die Kreisverwaltung habe sich in den vergangenen Wochen mehrfach zu diesem Thema geäußert, betont Rautmann.
Die Besorgnis war unter anderem beim Adventskonzert in der Müritz-Region an Landrat Thomas Müller (CDU) und Anfang Februar auch an den Bildungsausschuss des Kreistages herangetragen worden. Der Verein der Eltern, Freunde und Förderer der Kreismusikschule Müritz warnt in einer Erklärung vor den Folgen einer möglichen Privatisierung.
Erfolgreiche Tradition unter finanziellen Druck
Beide Kreismusikschulen blicken auf eine stolze 70-jährige Geschichte zurück und können sowohl auf ein breites Unterrichtsspektrum als auch auf nachgewiesene Erfolge verweisen. Beim Regionalwettbewerb „Jugend musiziert“ in Waren hatten sich kürzlich zwölf Kon.centus-Talente und 16 junge Musiker der Müritz für den Landeswettbewerb qualifiziert. Im vergangenen Jahr vertrat die hiesige Musikschule sogar mit zwei Ensembles das Land Mecklenburg-Vorpommern beim Deutschen Orchesterwettbewerb.
Doch diesen kulturellen Glanzleistungen stehen massive finanzielle Herausforderungen gegenüber. Jährliche Aufwendungen von 7,1 Millionen Euro für beide Einrichtungen stehen lediglich Gebühreneinnahmen von 1,1 Millionen Euro sowie 640.000 Euro Landesmittel gegenüber. „Es ist richtig, für die Musikschulen viel Geld auszugeben“, findet Amtsleiter Rautmann, doch die Zahlen sprächen eine deutliche Sprache.
Landkreis sucht nach Lösungen für die Zukunft
Die Kreisverwaltung sieht sich zum Handeln gezwungen. Prognosen zufolge werden die Schülerzahlen in den nächsten fünf Jahren um rund 30 Prozent sinken, gleichzeitig verschärft sich der Fachkräftemangel. „Daraus ergibt sich das Gebot der Stunde, über mehr Effizienz und mehr Angebote nachzudenken“, erklärt Rautmann. Bereits vor zwei Jahren habe der Landkreis in Zusammenarbeit mit den Schulleitungen und dem Verband der Musikschulen einen Prozess angestoßen, um über notwendige Veränderungen nachzudenken.
„Wir drehen jeden Stein um, aber wir nehmen uns alle Zeit, die wir brauchen“, versichert der Amtsleiter. Das aktuelle Haushaltssicherungskonzept des Landkreises enthalte keine konkreten Maßnahmen bezüglich der Musikschulen. Es handele sich um einen ergebnisoffenen Prozess mit bisher nur „Vorüberlegungen ohne Entscheidungsreife“.
Vielfältige Musiklandschaft in der Region
Neben den beiden kreislichen Einrichtungen bereichern mehrere privat geführte Musikschulen sowie die vereinsgetragene Kulturschule Malchin die musikalische Landschaft der Seenplatte. Die Kulturschule Malchin, die vor einigen Jahren aus einer Musikschule hervorging, hat ihr Repertoire auf weitere künstlerische Sparten ausgeweitet und ihren Wirkungsbereich auf Demmin und Altentreptow erweitert.
Die Eltern der Region hoffen nun, dass die bewährten Strukturen der Kreismusikschulen erhalten bleiben können, um auch zukünftigen Generationen eine qualitativ hochwertige musikalische Ausbildung zu ermöglichen.



