Abiturientin hält traditionsreiche Judika-Rede über Perfektionismus
Lena Trebbow aus Buggow bereitet sich intensiv auf einen besonderen Moment vor: Am 20. März 2026 wird die 17-jährige Abiturientin am Lilienthal-Gymnasium in Anklam die traditionsreiche Judika-Rede halten. Ihre Ansprache trägt den Titel „Perfektionismus – ein von Menschen gemachtes Produkt“ und setzt sich kritisch mit gesellschaftlichen Erwartungen an junge Menschen auseinander.
Von der Inspiration zur ausgearbeiteten Rede
Die Idee zur Rede entstand nach dem Vortrag des Vorjahresredners Julian Rother, dessen Thema „Der Mensch ist das Maß aller Dinge!?“ sie nachhaltig beeindruckte. „Eine Überschrift ließ mich einfach nicht mehr los“, erklärt Lena Trebbow. Auf Anregung ihrer Mutter bewarb sie sich schließlich für die diesjährige Judika-Rede und entwickelte ihre Gedanken zu einem vollständigen Konzept.
In ihrer Ansprache wird die Zwölftklässlerin viel Persönliches preisgeben und Fragen behandeln wie: Wie perfekt muss ein junger Mensch sein? Wer definiert diese Maßstäbe? Und welche Bedeutung haben Unvollkommenheit und Einzigartigkeit in unserer Leistungsgesellschaft? Kurz vor ihren Abiturprüfungen hat sich die Schülerin intensiv mit diesen existenziellen Themen beschäftigt und dabei auch viel über sich selbst gelernt.
Eine Jahrhunderte alte Tradition
Die Judika-Rede blickt auf eine lange Geschichte zurück. Seit 1715 findet die Judika-Feier am Anklamer Gymnasium statt, ursprünglich zum Gedenken an die Rettung der Stadt vor einer drohenden Einäscherung im Jahr 1713. Traditionell hält rund um „Judika“, den fünften Sonntag der Fastenzeit, ein Schüler eine feierliche Rede „Gott zum Lobe“ und erhält dafür eine Entlohnung.
Nach nur wenigen Unterbrechungen wurde die Tradition bis zum Zweiten Weltkrieg fortgeführt und schließlich 1992 wiederbelebt. Seitdem gehört die Judika-Rede fest zum kulturellen Leben des Lilienthal-Gymnasiums und bietet herausragenden Schülern eine Plattform für besondere Ansprachen.
Pragmatischer Blick in die Zukunft
Die Aufregung vor dem großen Auftritt hält sich bei Lena Trebbow in Grenzen. „Quatschen konnte ich schon immer“, gibt sie lachend zu. Nach dem Abitur plant die Schülerin, zunächst bei ihrer Patchworkfamilie in Buggow zu bleiben und in Greifswald Grundschullehramt zu studieren.
Ihre Zukunftsvision ist bewusst unperfekt: „Erst einmal das Abi schaffen, dann das Studium und dann eine Stelle bekommen“, beschreibt sie ihren pragmatischen Ansatz. Weitreichende Pläne oder große Träume liegen ihr fern – sie möchte einfach ein gutes Leben führen und ihren Platz in der Welt finden.
Die Schülerin, die romantische Romane liebt, Motorrad fährt und einen Ferienjob in einer Surfschule hat, ist überzeugt: „Das Leben ist nicht bis ins kleinste Detail planbar. Was danach kommt, kommt. Manchmal ändert sich auch der eigene Blick auf die Dinge.“ Am 20. März wird sie diese Philosophie vor Mitschülern, Lehrern und ihrer Familie präsentieren und dabei zeigen, dass Normalität und Besonderheit durchaus vereinbar sind.



