Lehrerverband kritisiert Praxislerntage in Sachsen-Anhalt als Mangelverwaltung
Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) in Sachsen-Anhalt lehnt die geplante Ausweitung praxisorientierter Lerntage an Sekundarschulen entschieden ab. Landesvorsitzender Torsten Wahl bezeichnete das sogenannte 4-plus-1-Modell als Verschleierung der schlechten Unterrichtsversorgung im Bundesland.
Qualitätseinbußen bei unzureichender Unterrichtsversorgung
„Bei einer Unterrichtsversorgung von lediglich 80 bis 85 Prozent fallen die fehlenden fünf Unterrichtsstunden formal kaum ins Gewicht - für die Qualität von Bildung jedoch sehr wohl“, erklärte Wahl. Der VBE fordert die Landesregierung auf, von einer flächendeckenden Einführung des Modells abzusehen und stattdessen die Ursachen der mangelhaften Unterrichtsversorgung anzugehen.
Unklare inhaltliche Gestaltung der Praxislerntage
Nach Auffassung des Verbands bleibt zudem unklar, wie der unterrichtsfreie Tag inhaltlich gestaltet werden soll. In den Ausführungen von Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) sei lediglich von Überlegungen die Rede, an diesem Tag Formen des praxisorientierten Lernens zu etablieren. Konkrete Konzepte fehlen jedoch bisher.
Organisatorische Herausforderungen für Unternehmen
„Angesichts der gegenwärtigen wirtschaftlichen Entwicklung, in der kleine Betriebe ebenso wie große Unternehmen um ihre Existenz kämpfen oder bereits Insolvenz anmelden mussten, ist dieser Wunsch größer als die Realität“, sagte Wahl. Der VBE-Landesvorsitzende stellt die praktische Umsetzbarkeit grundsätzlich in Frage: „Wie sollen Unternehmen und Einrichtungen eine wöchentliche Schülerschwemme organisatorisch und personell überhaupt bewältigen?“
Hintergrund: Das 4-plus-1-Modell
Ministerpräsident Sven Schulze möchte die Schulausbildung in Sachsen-Anhalt neu ausrichten. In Sekundarschulen sollen Schülerinnen und Schüler durch einen regelmäßigen Praxislerntag ab der 7. Klasse besser auf eine Ausbildung vorbereitet werden. Das Modell wurde bereits in Pilotprojekten erprobt, soll nun aber flächendeckend eingeführt werden.
Der VBE kritisiert, dass durch die Praxislerntage strukturelle Probleme im Bildungssystem lediglich kaschiert würden, anstatt sie zu lösen. Der Verband fordert stattdessen eine substanzielle Verbesserung der Unterrichtsversorgung und klare Konzepte für praxisorientiertes Lernen, die sowohl für Schulen als auch für Betriebe umsetzbar sind.



