Brandenburg startet neuen Lehramts-Studiengang zur Rettung der sorbischen Sprache
In Brandenburg wird ein neuer Lehramts-Studiengang eingeführt, der erstmals Grundschullehrkräfte für das Fach Sorbisch/Wendisch ausbilden soll. Dieser innovative Studiengang startet ab Herbst 2026 an der Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) am Standort Senftenberg und zielt darauf ab, die vom Aussterben bedrohte Minderheitensprache in der Niederlausitz zu bewahren.
Ein Experiment mit Verfassungsauftrag
Kultur-Staatssekretär Tobias Dünow (SPD), der Beauftragte des Landes Brandenburg für die Angelegenheiten der Sorben/Wenden, bezeichnet den neuen Studiengang als „Experiment“. „Es ist ein Experiment, wo wir alles dafür tun, dass es gelingt“, erklärte Dünow bei der Vorstellung im Landtag in Potsdam. Gleichzeitig betonte er, dass selbst bei geringer Nachfrage der Studiengang sinnvoll sei, da es sich um einen klaren Verfassungsauftrag handelt, die sorbische/wendische Sprache und Kultur zu fördern.
Delia E. Münch, die bildungspolitische Sprecherin des Rats für Angelegenheiten der Sorben/Wenden, unterstrich die Dringlichkeit: „Niedersorbisch/Wendisch ist eine vom Aussterben bedrohte Sprache, die dringend der Vermittlung in den Schulen bedarf“. Die BTU plant jährlich zwölf Studienplätze für diesen besonderen Ausbildungsweg.
Sprachvermittlung an brandenburgischen Schulen
Derzeit lernen in Brandenburg mehr als 1.000 Kinder und Jugendliche regelmäßig die sorbische Sprache. An sechs Schulen wird bereits bilingualer Unterricht angeboten, bei dem Sorbisch/Wendisch nicht nur als eigenes Fach, sondern auch in Unterrichtsfächern wie Mathematik, Sachkunde, Musik oder Kunst gesprochen wird. An weiteren 22 Schulen wird die Sprache als eigenständiges Fach unterrichtet.
Bislang erfolgte die Ausbildung von Lehrkräften für Sorbisch/Wendisch am Institut für Sorabistik der Universität Leipzig. Mit dem neuen Studiengang in Senftenberg schafft Brandenburg nun erstmals eine eigene Ausbildungsmöglichkeit im Bundesland.
Die sorbische/wendische Kultur und Sprache
Die Sorben, auch als Wenden bezeichnet, sind eine anerkannte slawische Minderheit in Deutschland mit etwa 60.000 Angehörigen in der Lausitz im Süden Brandenburgs und in Sachsen. Sie pflegen eine reiche kulturelle Tradition mit zahlreichen Bräuchen, die im Alltag sichtbar sind – beispielsweise durch zweisprachige Ortsschilder und Wegweiser im Spreewald.
Die Begriffe „Sorben“ und „Wenden“ werden in Brandenburg gleichrangig verwendet und bezeichnen dieselbe Volksgruppe. Die Minderheitensprache ist mit Polnisch und Tschechisch verwandt und stellt ein wichtiges kulturelles Erbe dar, das es zu bewahren gilt.
Studienangebot und Bewerbungsmodalitäten
Das neue Lehramtsangebot der BTU am Standort Senftenberg im Kreis Oberspreewald-Lausitz bietet Studierenden die Wahl zwischen zwei Fächerkombinationen: Mathematik und Sorbisch/Wendisch oder Deutsch und Sorbisch/Wendisch. Bewerbungen für einen Studienplatz sind ab dem 27. April möglich.
Zusätzlich wird eine Juniorprofessur ausgeschrieben, um den Studiengang akademisch zu untermauern. BTU-Vizepräsident Peer Schmidt betonte: „Wir müssen erstmal in Gang kommen und den Start gut hinkommen“. Dieser Schritt markiert einen bedeutenden Meilenstein in den Bemühungen, die sorbische/wendische Sprache für zukünftige Generationen zu erhalten und ihre Vermittlung an brandenburgischen Schulen nachhaltig zu sichern.



