Transidente Jugendliche in Vellahn: Sarina (13) fürchtet sich vor dem Schulbesuch
Die heute 13-jährige Sarina aus Vellahn erlebt in ihrem Schulalltag einen regelrechten Spießrutenlauf. Geboren als Junge, identifiziert sie sich seit ihrer frühen Kindheit als Mädchen – eine Tatsache, die in ihrer Schule zu wiederholten verbalen und teilweise körperlichen Übergriffen führt. Ihre Mutter Norma Dogan sucht verzweifelt nach Unterstützung, doch die Bildungseinrichtung zeigt sich wenig kooperativ.
Ein langer Weg der Selbstfindung
Bereits im Alter von vier Jahren bestand Sarina darauf, eigentlich ein Mädchen zu sein. Ihre Mutter Norma Dogan erinnert sich: „Ich war damit einverstanden, dass sie Kleider tragen und sich schminken wollte. Anfangs dachte ich, diese Phase würde sich auswachsen.“ Doch Sarina wurde zunehmend unglücklicher und zog sich in sich zurück. Mit etwa zehn oder elf Jahren vertraute sie sich ihrer Mutter an und erklärte, sich in ihrem männlichen Körper nicht zu Hause zu fühlen.
Die Familie suchte professionelle Hilfe bei Ärzten und Psychologen. Norma Dogan begann, sich intensiv über Transidentität zu informieren. „Nachdem ich mich informiert und die Situation akzeptiert habe, kann ich Sarina besser verstehen und begleiten“, erklärt die Mutter. Medizinische Fachpublikationen wie das Deutsche Ärzteblatt weisen darauf hin, dass etwa zwei bis drei Prozent aller Kinder und Jugendlichen überzeugt sind, im falschen Körper geboren zu sein.
Schulischer Alltag als Herausforderung
In der Schule wird Sarinas Transidentität jedoch nicht angemessen berücksichtigt. Norma Dogan berichtet: „Ich habe der Schule angeboten, eine Informationsveranstaltung zu organisieren oder den Lehrkräften Material zusammenzustellen, aber das wurde alles abgelehnt.“ Besonders problematisch gestaltet sich die Nutzung von Umkleide- und Sanitärräumen für Mädchen, was regelmäßig zu Eskalationen mit Mitschülerinnen führt.
Trotz dieser Schwierigkeiten entschied sich Sarina in Absprache mit medizinischen Fachkräften, offiziell ihr Geschlecht und ihren Namen ändern zu lassen. „Das haben wir Anfang dieses Jahres gemacht, aber in der Schule ist die Situation seitdem noch viel schlimmer geworden“, so die besorgte Mutter. Die Familie hat die Übergriffe mittlerweile angezeigt und sich an die Öffentlichkeit gewandt.
Bildungsministerium plant Maßnahmen
Auf Nachfrage unserer Redaktion teilte das Bildungsministerium Mecklenburg-Vorpommern mit, dass das Institut für Qualitätsentwicklung in enger Abstimmung mit dem Landesverband LSVD Queer MV an der Umsetzung des Landesaktionsplanes „In Vielfalt vereint“ arbeite. Geplant sind:
- Entwicklung eines Leitfadens für den Umgang mit LSBTQ-Themen
- Strukturierte Fortbildungsangebote für Lehrkräfte
- Schulinternes Fortbildungsprogramm zu Transidentität
Für Sarina und andere betroffene Jugendliche kommen diese Maßnahmen jedoch zu spät. Die 13-Jährige hat mittlerweile große Angst, in die Schule zu gehen. „Ich kann ja nichts dafür, dass ich so bin“, sagt sie verzweifelt. Immerhin haben sich einige Lehrer und Mitschüler inzwischen über ihre Situation informiert und bieten Unterstützung gegen die Anfeindungen.
Die Redaktion erhielt zudem Hinweise von anderen Eltern, die ebenfalls von Mobbingvorfällen berichteten, sobald Kinder und Jugendliche in irgendeiner Weise als „besonders“ wahrgenommen werden. Dies unterstreicht die Dringlichkeit, Schulen besser auf den Umgang mit Diversität vorzubereiten.



