Die Geburtenzahlen in Deutschland sind 2025 auf den niedrigsten Stand seit dem Jahr 1946 gefallen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, wurden im vergangenen Jahr nur 654.300 Kinder geboren – rund 23.000 weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig starben 1,01 Millionen Menschen, sodass das Geburtendefizit auf mehr als 350.000 stieg. Dies ist der höchste Wert in der Nachkriegsgeschichte.
Schere zwischen Geburten und Sterbefällen öffnet sich
Bereits seit 2021 sinken die Geburtenzahlen kontinuierlich. 2024 waren es noch 677.117 Babys. Der Rückgang beträgt damit rund 3,4 Prozent. Besonders stark fällt der Rückgang in Ostdeutschland aus: In den ostdeutschen Bundesländern sank die Zahl der Geburten um 4,5 Prozent, während es im Westen 3,2 Prozent waren. Einzig Hamburg verzeichnete ein leichtes Plus von 0,5 Prozent. Den stärksten Rückgang meldet Mecklenburg-Vorpommern mit minus 8,4 Prozent.
Ursachen: Weniger Frauen im gebärfähigen Alter
Hauptgrund für den Geburtenrückgang sind zwei demografische Entwicklungen: Zum einen gibt es immer weniger Frauen im gebärfähigen Alter. Dies liegt daran, dass in den 1990er-Jahren selbst nur wenige Kinder geboren wurden – die sogenannten kleinen Jahrgänge sind heute in der Familienphase. Zum anderen sinkt die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau. 2024 lag sie bei 1,35 Kindern, für eine stabile Bevölkerungsentwicklung ohne Zuwanderung wären aber 2,1 Kinder nötig.
Experte: Mehr kinderreiche Familien nötig
Prof. Dr. Martin Bujard, stellvertretender Direktor am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, betont: „Kinderlose und Einzelkinder gab es immer. Entscheidend ist die stark gesunkene Zahl von Frauen mit mehr als zwei Kindern.“ Er fordert staatliche Anreize wie Steuervorteile nach französischem Vorbild, um kinderreiche Familien zu fördern. Zudem müsse die Unsicherheit in der Familienplanung reduziert werden: „Unsicherheit ist Gift für die Familienplanung – sei es politisch oder wirtschaftlich. Aus Angst vor der Zukunft wird der Kinderwunsch oft aufgeschoben, teils bis es zu spät ist.“
Zuwanderung gleicht Defizit nicht mehr aus
Erstmals seit fünf Jahren kann die Zuwanderung den Geburtenrückgang nicht mehr kompensieren. Mit 220.000 bis 260.000 Zuwanderern im Jahr 2025 steht ein Plus von maximal 260.000 Menschen einem Geburtendefizit von 352.000 gegenüber. Langfristig prognostiziert Destatis, dass die Bevölkerung in Deutschland bis 2070 auf 68,8 Millionen schrumpfen könnte – rund 15 Millionen weniger als heute.
Folgen für Wirtschaft und Sozialsysteme
Der Geburtenrückgang hat weitreichende wirtschaftliche und soziale Konsequenzen. „Kleinere, jüngere Jahrgänge kommen in den Arbeitsmarkt, während die großen älteren Jahrgänge in Rente gehen. Dadurch fehlen Arbeitskräfte, Steuereinnahmen sowie Beiträge für Renten-, Gesundheits- und Pflegesysteme“, erklärt Prof. Bujard. Besonders in Pflege und Gesundheit verschärfe sich der Fachkräftemangel, was zu höheren Beiträgen, weniger Personal und gebremstem Wirtschaftswachstum führe.
Was jetzt getan werden muss
Der Experte fordert mehr Unterstützung für Familien: „Wir benötigen verlässliche Kinderbetreuung, Ganztagsschulen und mehr Wohnraum für Familien. Nur mehr Geld zu zahlen, führt hingegen kaum zu mehr Geburten.“ Ohne eine Trendwende droht Deutschland eine immer ältere und kleinere Bevölkerung, die den Wohlstand des Landes gefährdet.



