Barber Angels in Rostock: Ehrenamtliche Friseure schenken Bedürftigen neues Selbstwertgefühl
Draußen scheint die Sonne über Rostock, und im Obdachlosenheim in der Albert-Schweitzer-Straße herrscht reges Treiben. Am 22. März verwandelten 23 ehrenamtliche Helfer, darunter zwölf professionelle Friseurinnen und Friseure, die Räumlichkeiten in einen improvisierten Salon. Von 10 bis 13 Uhr schenkten sie Bedürftigen und Obdachlosen nicht nur einen neuen Look, sondern auch ein Stück Würde und Selbstvertrauen.
Ein neuer Look für mehr Mut und Selbstwertgefühl
Geleitet wird das Chapter der Barber Angels in Mecklenburg-Vorpommern von der Greifswalder Friseurin Anja Voigt (42), die als „Zenturio“ fungiert. Das Ziel der Initiative ist klar definiert: Gemeinsam mit sozialen Einrichtungen wollen sie Mitmenschen durch kostenlose Haar- und Bartschnitte Selbstwertgefühl und Mut zurückgeben. „Es ist immer so eine Sache, ob die Eingeladenen dann auch wirklich kommen“, berichtet Voigt. Doch an diesem Sonntag lief es besser als bei früheren Einsätzen – bereits gegen 11 Uhr waren 34 Personen erschienen, von etwa 100 eingeladenen Gästen.
Seit 2019 gibt es die Barber Angels in Mecklenburg-Vorpommern, und der Einsatz in Rostock markierte bereits den dritten Termin in der Hansestadt. Die Helfer nehmen teils weite Anfahrtswege aus dem gesamten Bundesland und darüber hinaus auf sich, doch der Einsatz lohnt sich. „Das Schöne an dem Einsatz sei, wenn man die Gäste sehe, wie sie sich freuen“, erklärt Voigt. Manchmal kämen den Besuchern sogar die Tränen, so emotional sei die Erfahrung.
Herausforderungen und Spendenbedarf
Die größte Hürde für den gemeinnützigen Verein „Barber Angels Brotherhood“ ist die Suche nach Spenden. „Wir sind ja ein Verein. Wir leben von Spenden“, betont Voigt. Neben den frischen Frisuren erhalten die Gäste kleine Tüten mit Hygieneartikeln wie Duschbad, Deo, Zahnbürste und Zahnpasta – für Frauen, Männer und Kinder. Doch diese Materialien zu beschaffen, gestaltet sich oft schwierig. „Es sei nicht einfach, jemanden zu finden, der so etwas spendet“, so Voigt, die weiterhin nach engagierten Friseuren für das Ehrenamt wirbt.
Persönliche Geschichten hinter den Frisuren
Eine der Gäste ist Anja Hüttenheber (51) aus dem Rostocker Stadtteil Toitenwinkel. Die gebürtige Stralsunderin und gelernte Krankenschwester lebt seit über 20 Jahren in Rostock, angezogen von ihrer Leidenschaft für den Fußballclub Hansa Rostock, dessen Fan sie seit 41 Jahren ist. Doch ihr Leben wurde von gesundheitlichen Rückschlägen geprägt: Zweimal erkrankte sie an Krebs, dazu kamen Blutarmut, ein Herzinfarkt und Herzmuskelschwäche.
Für Hüttenheber ist das Angebot der Barber Angels „super wichtig, da ich mir als EU-Rentner von den 400 Euro nicht einmal den Friseur leisten kann“. Normalerweise würde sie für eine neue Frisur 75 Euro bezahlen. Beim letzten Besuch ließ sie ihre langen Haare kurz schneiden, diesmal bereitete sie sich mit einer vorherigen Färbung vor, die vor Ort nicht möglich war. Friseurmeisterin Annina Raska (34), die den Salon Anni’s HAARmonie am Heinrich-Heine-Ring betreibt – genau dort, wo Hüttenheber einst lebte – verlieh ihr ein frisches Aussehen.
„Ich fühle mich wieder frei“, sagt Hüttenheber nach dem Haarschnitt, ein Satz, der die transformative Kraft der Aktion unterstreicht. Die Barber Angels zeigen, dass kleine Gestalten Großes bewirken können: Sie schenken nicht nur äußere Veränderung, sondern auch innere Stärke und Hoffnung in schwierigen Zeiten.



