Museumsschiff Cap San Diego: Ehrenamtliche Crew sichert Werft-TÜV für 1,5 Millionen Euro
Das berühmte Museumsschiff „Cap San Diego“ hat seinen Liegeplatz im Hamburger Hafen verlassen und befindet sich nun in der Bremerhavener Werft Bredo Dry Docks. Für rund 1,5 Millionen Euro wird das maritime Denkmal in den kommenden drei Wochen einer umfassenden Sicherheitsüberprüfung unterzogen – einer Art Schiffs-TÜV, der alle fünf Jahre notwendig ist. Diese sogenannte Erneuerung der Klasse ist essenziell, um die Fahrtüchtigkeit des größten betriebsfähigen Museumsfrachtschiffs der Welt zu gewährleisten.
Ehrenamtliche als Rückgrat der Instandsetzung
Neben professionellen Werftarbeitern leisten zahlreiche Ehrenamtliche einen entscheidenden Beitrag zur Instandhaltung. „Im laufenden Betrieb sind viele Arbeiten nicht möglich“, erklärt Geschäftsführerin Ann-Kathrin Ruess. Eine von ihnen ist die 65-jährige Gaby Liedtke, die seit ihrer Rente zur ehrenamtlichen Besatzung gehört. „Wir sind für die Holz- und Metallarbeiten zuständig“, sagt Liedtke. In den nächsten Tagen wird sie eine Holztreppe demontieren, Leisten abschrauben, das Holz schleifen und neu lackieren – eine Aufgabe, die ihr sichtlich Freude bereitet.
Insgesamt engagieren sich rund 120 Ehrenamtliche in verschiedenen Bereichen des Schiffs:
- Auf der Brücke und im Maschinenraum
- An Deck und im Shop
- Im Archiv und in der IT
„Ohne die ehrenamtliche Besatzung könnte das Schiff nicht auf Reisen gehen“, betont Ruess. Der Nachwuchs wird stets gesucht, insbesondere Personen mit gültigen nautischen Papieren.
Persönliche Motivation und historische Bedeutung
Für Gaby Liedtke war die Mitarbeit an Bord ein lang gehegter Traum. Als Hamburgerin fühlt sie eine tiefe Verbundenheit zur Schifffahrt. Vor 15 Jahren, als sie erstmals als Gast an Bord der Cap San Diego war, sah sie reservierte Tische für die Mannschaft und wusste: „Eines Tages möchte ich da auch sitzen.“ Seit zweieinhalb Jahren ist sie Teil der 40-köpfigen Deck-Crew, wo sie als einzige Frau ihre handwerklichen Fähigkeiten einbringt. „Unter Männern zu arbeiten, hat mir immer viel Spaß gemacht“, sagt sie.
Das Schiff selbst hat eine bewegte Geschichte: Seit 2003 unter Denkmalschutz stehend, ist es der letzte erhaltene Stückgutfrachter einer Serie von sechs Schiffen, die 1961/62 für die Reederei Hamburg Süd gebaut wurden. Aufgrund der Einführung des Containerverkehrs war es nur etwa zwei Jahrzehnte im Einsatz. Hamburg verhinderte durch den Kauf die Verschrottung. „Heute gilt sie als Zeugnis deutscher Ingenieurskunst“, so Ruess.
Finanzierung und Zukunftsperspektiven
Die Einnahmen des Schiffs – aus Eintrittsgeldern, dem Shop und Events – sowie Spenden fließen direkt in Unterhalt und Instandsetzung. Zusätzlich unterstützen öffentliche Fördermittel von Stadt Hamburg und Bund das Projekt. Für den aktuellen Werftaufenthalt wurden 750.000 Euro von der öffentlichen Hand bewilligt, was mehr Arbeiten als geplant ermöglicht. „Mit dem Geld können wir deutlich mehr Punkte von unserer langen Wunschliste umsetzen“, freut sich Ruess.
Jährlich besuchen rund 120.000 Menschen die Cap San Diego, die neben dem Museum auch einen Hochseilgarten und Escape-Rooms an Bord beherbergt. Bis Ende März bleibt das Schiff in Bremerhaven, bevor es zurück nach Hamburg kehrt. Zum Hafengeburtstag im Mai wird es wieder zu Gästefahrten aufbrechen – mit einer motivierten ehrenamtlichen Crew an Bord, die den Erhalt dieses maritimen Kulturguts sicherstellt.



