Fünf Jahre Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt: Erfolge und Herausforderungen im ländlichen Raum
Seit Juli 2020 hat die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) ihren Sitz in Neustrelitz und blickt nun auf fünf Jahre erfolgreiche Arbeit zurück. Als bundesweite Anlaufstelle zur Förderung ehrenamtlichen Engagements hat die Stiftung unter der Leitung von Vorstand Jan Holze bemerkenswerte Ergebnisse erzielt und gleichzeitig die Wahl des Standorts in der mecklenburgischen Provinz als strategisch klug bestätigt.
Bürokratieabbau als zentrales Anliegen
Jan Holze betont im Gespräch die doppelte Herausforderung des Ehrenamts: „Zum einen engagieren sich immer mehr Menschen in vielfältigen Bereichen, zum anderen fehlt es an Freiwilligen für Vorstands- und Leitungsfunktionen.“ Als Hauptgründe nennt er veränderte Lebensstile, geringere Bindungsbereitschaft und vor allem die überbordende Bürokratie, die viele Engagierte abschrecke.
Die DSEE setzt hier an zwei Fronten an: Einerseits durch unbürokratische eigene Verfahren bei Förderungen, Fortbildungen und Beratungen. Andererseits durch politische Einflussnahme, die mit der Ernennung von Dr. Christine Schenderlein zur Staatsministerin für Sport und Ehrenamt im Bundeskanzleramt neue Dimensionen erreicht hat.
Konkrete Maßnahmen und der Zukunftspakt Ehrenamt
Ein erster großer Erfolg ist der kürzlich beschlossene Zukunftspakt Ehrenamt, der konkrete Erleichterungen bringt:
- Anhebung der Übungsleiter- und Ehrenamtspauschalen
- Befreiung kleinerer Vereine von der Pflicht, eingenommene Mittel kurzfristig wieder auszugeben
- Geplante Erleichterungen bei GEMA-Gebühren, Datenschutz und Haftungsfragen
„Erstmals werden am Anfang einer Legislaturperiode Signale in Richtung Ehrenamt gesandt“, betont Holze die Bedeutung dieses frühen Engagements der aktuellen Bundesregierung.
Bilanz nach fünf Jahren: Zahlen und Projekte
Die Erfolgsbilanz der DSEE kann sich sehen lassen:
- Knapp 15.000 Vorhaben bundesweit mit etwa 125 Millionen Euro Fördermitteln unterstützt
- Tausende Organisationen in Förder-, Rechts- und Fortbildungsfragen beraten
- Steigender Bekanntheitsgrad, der zur Zusammenarbeit mit dem Bundespräsidenten führt
Ein Höhepunkt wird der geplante Ehrentag am 23. Mai sein, der den Tag des Grundgesetzes mit ehrenamtlichem Engagement verbindet. Bundesweit sollen Interessierte mit Vereinen zusammengebracht werden, um gemeinsam Projekte wie Vereinsstättensanierungen oder Sportfeste umzusetzen.
Neustrelitz: Vom Provisorium zum Erfolgsmodell
Obwohl die Unterbringung im ehemaligen Landratsamt am Stadtrand nur als Übergangslösung gedacht war, hat sich Neustrelitz als idealer Standort erwiesen. „Ein Drittel unserer Mitarbeiterschaft sind Rückkehrer und Zugezogene“, erklärt Holze die positive demografische Wirkung. Weitere ein Drittel pendeln aus Berlin und Rostock ein, das letzte Drittel stammt aus der Region.
Die Verhandlungen über den Umzug ins sanierte Carolinenpalais im Herzen der Stadt dauern zwar an, doch Holze ist zuversichtlich, dass bis Ende des Jahrzehnts ein modernisierter Standort bereitsteht. „Ich kann jeder Bundesregierung nur empfehlen, neue Institutionen im ländlichen Raum anzusiedeln – das ist tatsächlich gute Infrastrukturpolitik“, resümiert der Stiftungsvorstand.
Engagement über alle Altersgruppen hinweg
Zur aktuellen Debatte um ein Pflichtjahr für Senioren nimmt Holze klar Stellung: „Wenn ein Pflichtjahr kommen soll, dann für alle – weder nur für Junge noch ausschließlich für Alte.“ Stattdessen setzt er auf den Ausbau bestehender Freiwilligendienste wie FSJ oder Bundesfreiwilligendienst.
Statistisch zeigt sich, dass ehrenamtliches Engagement für alle Altersgruppen attraktiv ist, mit besonders hohen Zuwachsraten bei Älteren. Gerade Vorstands- und Leitungsfunktionen werden überdurchschnittlich häufig von Lebensälteren übernommen. Die DSEE fördert dies gezielt mit Programmen wie der Fortbildungsreihe FuturE für ältere Menschen, die sich intensiver engagieren möchten.
Mit konstanter Förderung durch den Bund – im Koalitionsvertrag ist sogar der Ausbau der Stiftung festgeschrieben – und wachsendem Engagement auf Länder- und Kommunalebene sieht Holze das Ehrenamt in Deutschland auf solidem Fundament. Die DSEE wird dabei nicht nur Förderer bleiben, sondern auch als Botschafterin für Neustrelitz in der gesamten Bundesrepublik wirken.



