Ehrenamtspreis „Der Esel, der auf Rosen geht“: Tanzbegeisterte Trainerin aus Halle nominiert
Seit ihren Kindertagen ist Anika Schicke vom Tanz fasziniert. Heute trainiert die 26-Jährige in Halle Tänzerinnen und Tänzer mit und ohne Beeinträchtigungen. Für dieses herausragende ehrenamtliche Engagement wurde sie nun für den Bürgerpreis „Der Esel, der auf Rosen geht“ nominiert. Was die junge Frau antreibt und welche Wünsche sie für die Anerkennung freiwilliger Arbeit hat, zeigt ihr bewegender Weg.
Von ersten Tanzschritten zur inklusiven Leidenschaft
Ihre Tanzkarriere begann Anika Schicke beim Tanzzauber Merseburg, wo sie als Mädchen ihre ersten Schritte machte. Dem Ensemble blieb sie lange treu, bis ein Auslandsjahr in der 11. Klasse sie nach Kanada führte. „Dort gab es Tanzen als reguläres Unterrichtsfach“, erzählt sie begeistert. In ihrer Freizeit engagierte sie sich zusätzlich in einer Cheerleader-Gruppe und sammelte wertvolle Erfahrungen.
Nach ihrer Rückkehr in die Heimat wechselte sie zum Tanzclub „Schwarz-Silber“ in Halle, der zu ihrer sportlichen und persönlichen Heimat werden sollte. Als Lehramtsstudentin in der Saalestadt angekommen, entwickelte sich eine tiefe Verbundenheit mit dem Verein und seinen Mitgliedern. Heute kann sie sich ein dauerhaftes Leben außerhalb von Halle kaum noch vorstellen.
Dreimal wöchentlich für sechs Tanzgruppen im Einsatz
Dienstags, donnerstags und freitags ist Anika Schicke im Vereinshaus in der Merseburger Straße anzutreffen, wo sie insgesamt sechs verschiedene Gruppen trainiert. Mit ihrem Studium komme sie deshalb nicht so schnell voran wie ursprünglich geplant, gibt die engagierte Trainerin zu. Die viele Zeit, die sie für die Vereinsarbeit aufwendet, sieht sie jedoch keineswegs als vergeudet an.
„Ich wünsche mir mehr Verständnis für ehrenamtliches Engagement“, betont Schicke. Sie nutze ihre Zeit schließlich für einen wichtigen Zweck, von dem wiederum ihre Tänzerinnen und Tänzer unmittelbar profitieren würden. Diese Wechselwirkung zwischen Geben und Nehmen macht für sie den besonderen Wert ihrer Arbeit aus.
Inklusive Gruppe „Tiny Twisters“ bereitet sich vor
Im Saal des Tanzclubs „Schwarz-Silber“ Halle tanzen aktuell die „Tiny Twisters“ zu Sara Connors Song „Lass dir nichts sagen“. Die inklusive Gruppe aus Mädchen und Jungen mit und ohne Beeinträchtigung bereitet sich intensiv auf den Inklusiven Tanztag am 22. März in Halle vor. Unter der fachkundigen Anleitung von Anika Schicke entwickeln die Kinder nicht nur tänzerische Fähigkeiten, sondern auch Selbstbewusstsein und Gemeinschaftsgefühl.
Janina Rathke aus Halle, deren Kinder Johannes und Josefine bei den „Tiny Twisters“ mittanzen, ist überglücklich über dieses besondere Angebot. „So viele Möglichkeiten dieser Art gibt es in Halle gar nicht“, sagt die Mutter und lobt gleichzeitig die herausragenden Fähigkeiten der Trainerin. „Die Kinder erhalten hier viel Motivation und Wertschätzung. Das ist so wichtig für ihre Entwicklung.“
Persönliche Erfahrungen und frischer Wind im Verein
Johannes, der ebenso begeistert wie seine geistig beeinträchtigte Schwester donnerstags zum Tanzen geht, schwärmt von den Trainingsstunden: „Das ist eine tolle Freizeitbeschäftigung, und Anika erklärt uns das Tanzen so schön und geduldig.“ Vereinsvorsitzender Thomas Horn bezeichnet die Trainerin als „echten Glücksfall für den Tanzclub“. Zusammen mit ihrer Kollegin Jenny Beutel, die ebenfalls junge Tänzer trainiert, bringe sie die Kinder- und Jugendarbeit des Vereins entscheidend voran.
Beide engagieren sich inzwischen auch im Vorstand und bringen frischen Wind in die Vereinsstrukturen. Mit Anregungen wie der Einrichtung von W-Lan im Vereinshaus oder der Organisation von WhatsApp-Gruppen für bessere Kommunikation unter den Mitgliedern tragen sie maßgeblich zur Modernisierung bei. Der Tanzclub habe dadurch deutlich weniger Nachwuchsprobleme als vergleichbare Vereine, betont Horn.
Tanz als Ausdruck von Gefühlen und persönliche Bewältigung
„Was ich hier mache, passiert aus reiner Leidenschaft“, betont Anika Schicke immer wieder. Sie engagiere sich, um anderen die Freude am Tanzen zu vermitteln und zu zeigen, dass sich durch Bewegung Stimmungen und Gefühle ausdrücken lassen. Diese Erfahrung hat sie selbst in besonderem Maße gemacht.
Besonders eindrücklich war für sie ein selbst choreografierter Tanz zu „How do I say goodbye“ des australischen Musikers Dean Lewis. Dieser half ihr, sich mit der schweren Krebserkrankung ihres Vaters auseinanderzusetzen und zu verarbeiten. „Das Tanzen und mein Ehrenamt geben mir etwas zurück“, erklärt die 26-Jährige. „Nicht nur, dass ich mich bewegen kann. Ich komme immer besser gelaunt nach Hause, als ich zum Training gefahren bin.“
Mehr Aufmerksamkeit für ehrenamtliches Engagement
Anika Schicke wünscht sich insgesamt mehr gesellschaftliche Aufmerksamkeit für ehrenamtliche Arbeit – und denkt dabei natürlich nicht nur an ihre eigene Tätigkeit. Ob sie dafür tatsächlich den Bürgerpreis erhalte, sei im Grunde nebensächlich. Viel wichtiger sei es, immer wieder ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, dass so vieles in unserer Gesellschaft ohne freiwillige Helfer nicht funktionieren würde.
„Nichts von dem ist selbstverständlich“, betont die Trainerin nachdrücklich. Die Anerkennung für Ehrenamtliche müsse stärker in den Fokus rücken, damit sich noch mehr Menschen für gemeinnützige Arbeit begeistern lassen.
Bürgerpreis „Der Esel, der auf Rosen geht“
Engagierte Menschen aus Halle und dem Saalekreis können noch bis zum 16. Mai für den Bürgerpreis „Der Esel, der auf Rosen geht“ nominiert werden. Die Nominierung ist über die Homepage www.esel-auf-rosen.de möglich. Vorgeschlagen werden können sowohl Einzelpersonen als auch Vereine oder Organisationen, die sich in besonderem Maße für die Gemeinschaft einsetzen.
Eine unabhängige Jury entscheidet über die Preisträger, die am 28. August bei einer feierlichen Preisverleihung im Neuen Theater in Halle geehrt werden. Der Bürgerpreis ist eine gemeinsame Initiative der Mitteldeutschen Zeitung, des Neuen Theaters und der Volksbank Halle und wird bereits seit dem Jahr 2003 verliehen.



