Alice Schwarzer im Spitzengespräch: „Sind wir eigentlich im Irrenhaus?“
Alice Schwarzer, Deutschlands prominenteste und zugleich umstrittenste Frauenrechtlerin, stand im Mittelpunkt eines aktuellen SPIEGEL-Talks. Die Ikone der feministischen Bewegung, die seit Jahrzehnten verehrt und angefeindet wird, nutzte die Plattform für deutliche Kritik an jungen Feministinnen und der aktuellen Trans-Debatte.
Kritik an junger feministischer Generation
Im Gespräch mit Moderator Markus Feldenkirchen äußerte Schwarzer Bedenken gegenüber der jüngeren Generation feministischer Aktivistinnen. Sie warf ihnen vor, wesentliche Grundsätze des klassischen Feminismus zu vernachlässigen und sich in identitätspolitischen Diskussionen zu verlieren. „Wir müssen uns fragen, ob wir unsere eigentlichen Ziele aus den Augen verlieren“, so Schwarzer in ihrer charakteristischen Direktheit.
Position zur Trans-Debatte
Besonders kontrovers diskutierte Schwarzer die aktuelle Trans-Debatte. Sie kritisierte, dass diese Debatte ihrer Meinung nach zu viel Raum in feministischen Diskussionen einnehme und von zentralen frauenrechtlichen Themen ablenke. „Die Trans-Frage ist wichtig, aber sie darf nicht zum alleinigen Dreh- und Angelpunkt werden“, betonte die 83-jährige Publizistin.
Persönliche Verletzungen und öffentliche Wahrnehmung
In emotionalen Momenten des Gesprächs verriet Schwarzer, was sie in ihrer langen Karriere am meisten schmerzt. Sie sprach über die anhaltende Polarisierung, die sie erfährt, und wie sich öffentliche Anfeindungen auf ihr Leben auswirken. „Man gewöhnt sich nie wirklich daran, wenn man ständig zum Feindbild stilisiert wird“, gestand sie Feldenkirchen.
Historischer Kontext und aktuelle Relevanz
Alice Schwarzer blickt auf mehr als fünf Jahrzehnte feministischen Aktivismus zurück. Von der Gründung der Zeitschrift „Emma“ 1977 bis zu heutigen Debatten hat sie die deutsche Frauenbewegung maßgeblich geprägt. Ihr aktuelles Eingreifen in die Trans-Debatte und die Kritik an jüngeren Feministinnen zeigt, wie sich generationelle Konflikte innerhalb der Bewegung manifestieren.
Das Spitzengespräch fand am 18. Februar 2026 statt und wurde von einem erfahrenen Team produziert, darunter Dennis Deuermeier in der Leitung und Markus Feldenkirchen als Moderator. Die Aufzeichnung bietet tiefe Einblicke in das Denken einer der einflussreichsten deutschen Intellektuellen der Gegenwart.



