Der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der Dax-Unternehmen ist bei den Aktionärsvertretern das zweite Jahr in Folge gesunken. Laut einer Auswertung der Personalberatung Russell Reynolds fällt der Anteil in der aktuellen Hauptversammlungssaison um 0,1 Prozentpunkte auf 38,3 Prozent. Besonders auffällig ist der Rückgang bei den neu gewählten Vertretern: Mit 32 Prozent liegt der Anteil so niedrig wie noch nie in diesem Jahrzehnt.
Rückgang nach 15 Jahren Wachstum
Bis 2024 war der Frauenanteil 15 Jahre lang kontinuierlich gestiegen – von 7 auf über 40 Prozent. Nun geht es das zweite Jahr in Folge abwärts. Ein möglicher Grund: Frauen bleiben tendenziell kürzer in den Gremien. Aufsichtsrätinnen, die in diesem Jahr ausgeschieden sind oder noch ausscheiden, waren im Durchschnitt nur 5,4 Jahre im Amt, während Männer auf 9,5 Jahre kommen.
Krise als Hindernis
„Das zweite Jahr in Folge gab es keinen Fortschritt auf dem vor kurzem noch sicher geglaubten Weg hin zur Parität – und das gegen den europäischen Trend“, sagt Jens-Thomas Pietralla von Russell Reynolds. Zudem hinke die Besetzung zentraler Machtpositionen weiterhin deutlich hinterher. „Das ist in Summe keine gute Entwicklung.“
Ein Grund könnte in der vergangenen Ungleichheit liegen: In unsicheren Zeiten würden Kandidaten bevorzugt, die bereits Vorstandsvorsitzende waren, erklärt Pietralla. „Da in der Vergangenheit kaum Frauen an der Spitze von Dax-Unternehmen standen, ist der Pool an weiblichen Kandidaten mit dieser Erfahrung zwangsläufig viel kleiner, was Frauen benachteiligt.“
Lichtblick an der Spitze
Zumindest an der Spitze der Aufsichtsräte gibt es eine leichte Verbesserung. Seit Sabrina Soussan vor wenigen Tagen bei Continental den Vorsitz übernommen hat, werden fünf der Dax-Aufsichtsräte von Frauen geführt. Wenn Amparo Moraleda im Oktober 2026 René Obermann an der Spitze des Aufsichtsrats von Airbus ablöst, steigt der Anteil sogar auf 15 Prozent.



