Frauenstreik in Rostock: Ohne uns steht alles still - Protest gegen strukturelle Ungleichheit
Am Montag, dem 9. März, gingen in ganz Deutschland Menschen auf die Straße, um gegen strukturelle Ungleichheit zu demonstrieren. Einen Tag nach dem Weltfrauentag hatte das Töchter Kollektiv bundesweit zum Frauenstreik aufgerufen. Unter dem Motto „Ohne uns steht alles still“ fanden in über 90 Städten Aktionen statt, darunter auch auf dem Neuen Markt in Rostock. Dort versammelten sich von 13 bis 18 Uhr zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer, um gezielt auf die anhaltenden Ungerechtigkeiten aufmerksam zu machen.
Warnstreik fokussiert strukturelle Ungleichheit
Es handelte sich um einen Warnstreik, wie die Beteiligten betonten. Andrea Koch, Mitorganisatorin des Events in Rostock, erklärte: „Wir wollen zeigen, was passiert, wenn Frauen streiken.“ Mit Informationsständen auf dem Neuen Markt suchten die Initiatoren das Gespräch mit der Öffentlichkeit. Ziel war es, auf die oft unsichtbare Care-Arbeit aufmerksam zu machen und gegen geschlechtsspezifische Gewalt sowie strukturelle Ungleichheit vorzugehen.
Koch betonte: „Pflege, Erziehung, Versorgung – diese Arbeit wird nach wie vor viel zu oft systematisch entwertet.“ Die Demonstration sollte verdeutlichen, dass diese Tätigkeiten unersetzlich sind, aber in der Gesellschaft häufig nicht angemessen gewürdigt werden.
Politische Entscheidungen als Ursache
In einer Mitteilung des Bündnisses hieß es: „Ungleichberechtigung ist dabei gerade kein individuelles Problem, sondern die Folge politischer Entscheidungen.“ Die Organisatorinnen forderten gemeinsames Engagement, auch über Frauen hinaus, um echte Veränderungen zu erreichen. Sie kritisierten konkret, dass trotz der Istanbul-Konvention Schutzangebote für von Gewalt betroffene Frauen und Kinder weiterhin unzureichend finanziert werden.
Andrea Koch erklärte dazu: „Ökonomische Abhängigkeit macht Frauen besonders verletzlich und beeinträchtigt ihre Sicherheit.“ Durch die Wahl des Montags als Streiktag sollte bewusst die Arbeits- und Lebensrealität vieler Frauen erlebbar gemacht werden. Es ging um Solidarität und einen tatsächlichen Einschnitt in den Alltag.
Wenn Betroffene streiken, steht alles still
Koch verdeutlichte die potenzielle Wirkung eines umfassenden Streiks: „Wenn wir uns vorstellen, dass wirklich mal alle von Gewalt oder struktureller Benachteiligung betroffenen Menschen auf die Straße gehen oder einfach nicht zur Arbeit kommen, ja, dann steht hier wirklich alles still.“ Die Aktion in Rostock war Teil einer bundesweiten Bewegung, die darauf abzielte, die systemische Bedeutung von Frauenarbeit sichtbar zu machen und politischen Druck für mehr Gleichberechtigung aufzubauen.
Die Standdemo auf dem Neuen Markt nutzte symbolträchtige Elemente wie Geschirrtücher mit dem Streikmotto, um die Botschaft zu verstärken. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten intensiv über Wege, wie strukturelle Ungleichheit überwunden werden kann und welche politischen Maßnahmen notwendig sind, um Care-Arbeit angemessen zu honorieren und geschlechtsspezifische Gewalt effektiv zu bekämpfen.



