Frauentag im Rückblick: Fackelzüge, Prämien und die vergessenen Traditionen
Frauentag: DDR-Fackelzüge und BRD-Schweigen im Rückblick

Frauentag im Rückblick: Wie war das wirklich?

Von Steffen Könau 08.03.2026, 10:00

So schnell können Gewohnheiten und Rituale in Vergessenheit geraten, obwohl sie erst gestern noch Alltag waren. Der Frauentag am 8. März ist ein solches Datum, das mehr bedeutet als nur bunte Blumen. Doch wie stand es wirklich um die Gleichberechtigung in Ost und West? Vom DDR-Prämiensegen bis zum langen Schweigen in der Bundesrepublik gibt es überraschende Erkenntnisse.

Traditionen zwischen Fackelzügen und politischer Stille

Im Harzörtchen Neuwerk gingen Frauen zu DDR-Zeiten in traditioneller Kleidung und mit einer Fahne für Frauenrechte auf die Straße. Allerdings nicht zum Frauentag, sondern zum Grasedanzfest. Der Frauentag selbst war ein wichtiges Datum im DDR-Kalender, wenn auch nicht für alle arbeitsfrei. Er wurde seit 1947 gefeiert und oft mit jährlichen Prämienzahlungen für Frauen begangen. In einigen Regionen wurden sogar Fackelumzüge abgehalten, um den Tag einzuleiten.

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In der Bundesrepublik sah die Geschichte anders aus. Die Nazis hatten den Frauentag nach 1933 verboten und stattdessen den Muttertag gefeiert. In der Folge wurde der 8. März in Westdeutschland bis Mitte der 1960er Jahre weitgehend vergessen. Erst später entwickelte sich dort eine neue Tradition, während im Saarland ab 1977 festliche Begehungen stattfanden.

Frauen in der Politik: Ministerposten und das Politbüro

Vor 40 Jahren besetzten Frauen auch in den Regierungen von Ost und West Ministerposten. In Bonn gab es zwei Ministerinnen im Kabinett, während in Berlin eine Frau an der Spitze eines Ministeriums stand. In der DDR waren es drei Ministerinnen, die unter ihren männlichen Kollegen arbeiteten. Doch das Politbüro, das Machtzentrum der DDR, blieb eine reine Männerwelt – Frauen hatten in diesem Gremium keine Vertreterin.

Erwerbstätigkeit und Haushaltstag: Unterschiede zwischen Ost und West

Der Unterschied in der Erwerbstätigkeit von Frauen zwischen West und Ost war 1989 auffällig. In der DDR waren 91 Prozent der Frauen berufstätig, während es in der Bundesrepublik nur 55 Prozent waren. Um das Leben der Frauen zu erleichtern, führte die DDR den sogenannten „Haushaltstag“ ein – einen freien Tag pro Monat, der zum Putzen und Waschen verwendet werden musste.

Lohnlücke und heutige Bedeutung

Die Lohnlücke zwischen Mann und Frau, heute als „Gender Pay Gap“ bekannt, liegt aktuell bei 16 Prozent. In der DDR betrug sie nur drei Prozent, da ungleiche Bezahlung strikt verboten war. Diese historischen Fakten zeigen, wie sich der Frauentag über die Jahrzehnte entwickelt hat und welche Traditionen heute fast vergessen sind.

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Testen Sie Ihr Wissen: Sieben Fragen zum Frauentag

  1. Der Frauentag wurde in der DDR ...
    • a) seit 1947 gefeiert.
    • b) mit einer jährlichen Prämienzahlung für alle Frauen begangen.
    • c) mit Fackelumzügen eingeleitet.
  2. In der Bundesrepublik wurde der 8. März ...
    • a) bis Mitte der 60er Jahre vergessen.
    • b) 1949 als staatlicher Feiertag eingeführt.
    • c) ab 1977 im Saarland festlich begangen.
  3. Vor 40 Jahren befanden sich ...
    • a) in Bonn zwei und in Berlin eine Frau als Ministerin im Kabinett.
    • b) in der DDR drei und in der BRD eine Frau an der Spitze eines Ministeriums.
    • c) in beiden Ländern mehrere Ministerinnen unter ihren männlichen Kollegen.
  4. Frauen hatten im Politbüro der DDR ...
    • a) die Hälfte der Plätze inne.
    • b) eine knappe Mehrheit der Sitze.
    • c) keine Vertreterin.
  5. Berufstätig waren 1989 in der ...
    • a) DDR 91 und in der BRD 55 Prozent.
    • b) DDR 77 und in der BRD 65 Prozent.
    • c) DDR 53 und in der BRD 87 Prozent.
  6. Der „Haushaltstag“ in der DDR war ...
    • a) ein Tag pro Woche, an dem Frauen nicht auf Arbeit erscheinen mussten.
    • b) ein freier Tag pro Monat, der zum Putzen und Waschen verwendet werden musste.
    • c) ein sogenannter Frauentag, der Frauen erlaubte, den 8. März zu feiern.
  7. Die Lohnlücke in der DDR betrug ...
    • a) nur drei Prozent.
    • b) auch 16 Prozent.
    • c) null Prozent, weil ungleiche Bezahlung strikt verboten war.

Wie viel wissen Sie noch über den Frauentag und seine Geschichte? Blicken Sie zurück auf ein Datum, das mehr ist als nur bunte Blumen.