Multikulturelles Centrum Templin feiert Internationalen Frauentag mit besonderem Programm
Warum nicht einmal anlässlich des Internationalen Frauentages einen besonderen Kinobesuch unternehmen? Das Multikulturelle Centrum in Templin hat dafür erneut ein außergewöhnliches Angebot kreiert, das sowohl kulturelle als auch kulinarische Höhepunkte vereint. Die etablierte Filmnacht zum Frauentag fand am 7. März statt und lockte zahlreiche Besucherinnen und Besucher an.
Zwei Filme zeigen unterschiedliche Facetten weiblicher Stärke
Für die diesjährige Veranstaltung wurden zwei ausgewählte Streifen präsentiert: Die Dokumentation „Stolz & Eigensinn“ von Regisseur Gerd Kroske und das Drama „Lolita lesen in Teheran“ von Eran Riklis. Die Templinerinnen Jana Neumann und ihre 14-jährige Tochter Ella entschieden sich für beide Vorführungen und wurden von Ellas beiden Großmüttern begleitet. Für Mutter und Tochter stellte diese Filmnacht eine Premiere dar.
Bei der Filmauswahl legt MKC-Geschäftsführerin Kathrin Bohm-Berg besonderen Wert darauf, verschiedene Dimensionen des Frauenbildes zu beleuchten. „Den Frauentag zu feiern, ist eine aus der DDR heraus gewachsene positive Tradition“, betont Bohm-Berg. „Diese haben wir aufgegriffen und ermöglichen Frauen, sich im MKC zu treffen und einen anregenden Abend zu verbringen.“ Gleichzeitig dient die Veranstaltung dazu, das wichtige Thema Gleichberechtigung in den Fokus zu rücken.
Dokumentation über DDR-Arbeiterinnen regt zum Nachdenken an
Der Film „Stolz & Eigensinn“ lässt Frauen zu Wort kommen, die in Industrie-Großbetrieben der DDR tätig waren und nach der Wende von massiven Entlassungswellen betroffen waren. Die Dokumentation kombiniert Interviews aus den 1990er-Jahren mit aktuellen Reflexionen der Protagonistinnen. Zentrale Themen sind berufliche Unabhängigkeit als Facharbeiterinnen, Durchsetzungsvermögen und Anerkennung, aber auch tiefe Enttäuschung, als nach der Wiedervereinigung ihre Positionen häufig von Männern übernommen wurden.
Die 14-jährige Ella Neumann zeigte sich besonders beeindruckt von den Frauen, die im Tagebau in traditionellen Männerberufen arbeiteten. „Sie haben sich einfach nicht von Vorurteilen beeindrucken lassen“, fasste sie ihre Eindrücke zusammen. Ihre Mutter Jana Neumann, 45 Jahre alt, betonte den tiefen Einschnitt, den die Wende im Leben dieser Frauen bedeutete. „Alles, was vorher richtig war, ist jetzt falsch, so ihre Empfindung. Und trotzdem mussten diese Frauen stark sein, auch für ihre Kinder, sich neu orientieren“, erklärte sie.
Internationales Büfett bringt kulinarische Vielfalt auf den Tisch
Zwischen den beiden Filmvorführungen lud das Multikulturelle Centrum zu einem reichhaltigen Büfett ein, das von Frauen der Initiative „Culinary Crossroads“ zubereitet wurde. Diese Initiative hat es sich zur Aufgabe gemacht, kulinarische Traditionen verschiedener Kulturen zusammenzubringen. „Eigentlich sind wir sechs Frauen, heute haben wir vier Gerichte aus ihrer Heimat zubereitet“, berichtete Shmoos, die aus dem Sudan stammt. Mit dabei waren Suad aus Syrien, Soma aus Afghanistan und Nina aus der Ukraine.
Die kulinarischen Kreationen trafen offensichtlich den Geschmack der Gäste. „Viele haben sich bei uns bedankt. Das hat uns natürlich sehr gefreut“, sagte die junge Frau aus dem Sudan. Das Büfett bildete somit nicht nur eine kulinarische Bereicherung, sondern auch einen lebendigen Austausch über internationale Traditionen.
Gleichberechtigung bleibt ein relevantes Thema in Brandenburg
Kathrin Bohm-Berg nutzte die Gelegenheit, um auf aktuelle Herausforderungen hinzuweisen. „Zwar gibt es in Brandenburg 30 Prozent Frauen in Führungspositionen und tolle Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Trotzdem sind wir von wirklicher Gleichberechtigung im Land ein gutes Stück entfernt. Deshalb lohnt es, sich inhaltlich mit diesem Thema zu beschäftigen“, erklärte die Geschäftsführerin. Die Filmnacht verfolgt somit einen doppelten Zweck: Sie bietet Unterhaltung und regt gleichzeitig zum kritischen Nachdenken über gesellschaftliche Strukturen an.
Die Veranstaltung im Multikulturellen Centrum Templin demonstrierte eindrucksvoll, wie kulturelle Bildung, kulinarische Erfahrung und gesellschaftspolitischer Diskurs miteinander verbunden werden können. Sie unterstrich die Bedeutung des Internationalen Frauentages als Anlass, sowohl Erfolge zu feiern als auch bestehende Ungleichheiten zu thematisieren.



