150 Menschen demonstrieren in Rostock für Gleichstellung von Menschen mit Behinderung
Rostock: Demo für Gleichstellung von Menschen mit Behinderung

„Jeder Mensch ist wunderbar.“ Diese Botschaft stand auf einem der vielen Plakate, die rund 150 Menschen am 5. Mai in der Rostocker Innenstadt hochhielten. Sie gingen auf die Straße, um mehr Barrierefreiheit und Gleichberechtigung für Menschen mit Behinderung zu fordern. Der Demozug war Teil des Europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung, der 1992 von der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland ins Leben gerufen wurde. Inspiriert von der US-Behindertenbewegung zielte er zunächst auf rechtliche Gleichstellung ab. Heute steht vor allem im Fokus, auf anhaltende Diskriminierung und fehlende Inklusion hinzuweisen. In diesem Jahr lautete das Motto „Menschenrechte sind nicht verhandelbar“.

Lebendige Stimmung vor dem Rostocker Hof

Vor dem Rostocker Hof sorgten Trommeln, Gesang, Poetry-Slam und Tanz für eine lebendige Atmosphäre. Plakate trugen Botschaften wie „Anders ist nicht weniger wert“ und „Tempo machen für Inklusion – barrierefrei zum Ziel!“. Eine Betreuerin, die mit Menschen mit Behinderung arbeitet, betonte, dass Inklusion oft vor der eigenen Haustür beginne: „Zum Beispiel bei Rampen statt Stufen, bei zugänglichen Bussen, bei verständlicher Sprache und dem Bewusstsein, dass achtlos weggeworfener Müll nicht nur schädlich für die Umwelt ist, sondern auch zu einer gefährlichen Stolperfalle werden kann.“ Solche Hürden fielen leider oft erst dann auf, wenn die Menschen selbst darauf angewiesen seien.

Oberbürgermeisterin ruft zu konsequenter Einforderung von Rechten auf

Rostocks Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger (Linke) rief bei der Kundgebung dazu auf, Rechte konsequent einzufordern. „Gleichberechtigung schadet niemandem“, betonte sie. Anschließend eröffnete sie im Rostocker Hof die Fotoausstellung „Wir sind nicht still“. Die Ausstellung, gestaltet von Menschen mit Behinderung, ist bis zum 13. Mai zu sehen und gibt berührende Einblicke in Perspektiven, die oft übersehen werden.

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Erst mit Rollstuhl fallen einem die Hürden auf

Die Journalistin Anette Pröber sprach vor Ort mit Besuchern. Zu den ersten Gästen zählte die 32-jährige Elezi Arbnora, die aus Kroatien stammt und seit acht Jahren in Rostock lebt. Sie nutzt einen Rollstuhl und wird von ihrer 27-jährigen persönlichen Assistentin Emilia Kapellusch begleitet. Beide erleben Fortschritte in der Stadt, machen aber deutlich: Es gibt noch viel zu tun. „Erst wenn man mit Rollstuhl unterwegs ist, bemerkt man, wie schwierig das Fortkommen in Rostock ist“, sagt Kapellusch, die seit drei Jahren bei der Lebenshilfe Rostock arbeitet und Menschen mit geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen unterstützt.

Auch auf Landesebene wurde ein klares Signal gesetzt: Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) erklärte in Schwerin, Inklusion sei kein Nischenthema, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. In Mecklenburg-Vorpommern leben rund 400.000 Menschen mit einer Behinderung.

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