Deutsche Skispringerin Agnes Reisch spricht offen über Menstruation im Leistungssport
Skispringerin: Offen über Periode und Leistungseinfluss

Skispringerin Agnes Reisch bricht Tabu: Offenes Gespräch über Menstruation im Leistungssport

Predazzo (Italien) – Ein historischer Moment im Skispringen steht bevor: Erstmals bei Olympischen Spielen werden die Frauen am Sonntag von der Großschanze springen. Während dieser Schritt die Gleichberechtigung im Sport vorantreibt, bleibt ein natürlicher Faktor weiterhin unveränderlich: der Einfluss der Menstruation auf die Leistungsfähigkeit der Athletinnen.

„Superängstlich“ bei Menstruation: Reisch lässt Trainingssprung aus

Die deutsche Skispringerin Agnes Reisch (26) hat am Donnerstagabend in Predazzo ihren letzten Trainingssprung vor dem Wettkampf ausgelassen – aus einem sehr persönlichen Grund. „Ich habe heute meine Tage bekommen. Dann bin ich immer superängstlich“, erklärt die Zollbeamtin gegenüber BILD. „Als private Agnes Reisch würde ich mir selbst nicht empfehlen, Extremsport zu machen. Skispringen ist mein Beruf, deswegen gehört das dazu, dass ich springe. Aber der dritte Sprung hätte nicht wirklich Sinn gemacht.“

Reisch, die mit dem Mixed-Team am Dienstag knapp eine Medaille verpasst hatte, spricht damit ein Thema an, das im Leistungssport lange tabuisiert wurde. Die Schmerzen während ihrer Periode variieren je nach Zyklusphase, werden durch den zusätzlichen Stress bei Olympia noch verstärkt. „Wenn man mehr Stress hat, ist es bei mir noch schlimmer“, so die Athletin.

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Teamkolleginnen unterstützen offenen Umgang

Die Entscheidung, auf den Körper zu hören und drei Tage vor dem Wettkampf vorsichtig zu sein, findet bei ihren Teamkolleginnen Zustimmung. Zimmernachbarin Selina Freitag (24) betont: „Ich finde es cool von Agnes, zu sagen: ‚Meine Gesundheit und mein Körper gehen vor.‘ Bis zum Wettkampf wird die Periode weniger. Dann kann sie auch wieder voll angreifen.“

Fahnenträgerin Katharina Schmid (29) bestätigt, dass das Thema im Team längst offen diskutiert wird: „Wir sprechen da ganz offen darüber. Das ist auch wichtig für die Trainer, um einzuschätzen, wie wir damit umgehen und mit welchen Leistungen sie rechnen können.“

Individuelle Auswirkungen auf Leistungsfähigkeit

Wie stark die Menstruation die Leistung beeinflusst, ist dabei höchst individuell. Schmid berichtet von eigenen Erfahrungen: „Ich merke schon, dass bei mir dann manchmal das Feingefühl fehlt. Das, was meinen Sprung ausmacht, haut dann nicht hin und das Fliegen ist schwierig.“

Überraschenderweise hat Selina Freitag teilweise sogar ein besseres Gefühl während ihrer Regel: „Davor fühle ich mich dagegen immer ein bisschen wie ein Schluck Wasser in der Kurve.“

Tabubruch mit Signalwirkung

Obwohl öffentlich kaum über Regelbeschwerden wie Schmerzen, Müdigkeit oder Gereiztheit gesprochen wird, ist das Thema intern längst bei Trainern und Betreuern angekommen. Der offene Umgang der deutschen Skispringerinnen mit diesem natürlichen Prozess wirkt erfrischend und könnte wegweisend für den gesamten Leistungssport sein.

Agnes Reisch demonstrierte trotz ihrer Beschwerden am Donnerstag noch Sprünge auf 105 und 118,5 Meter. Ihr mutiger Schritt, über Menstruation im Hochleistungssport zu sprechen, markiert einen wichtigen Moment in der Sportgeschichte – nicht nur für das Skispringen, sondern für die Gleichberechtigung von Athletinnen insgesamt.

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