Jens Spahn lehnt Begriff 'homosexuell' ab: 'Ich bin schwul, nicht queer'
Spahn: 'Ich bin schwul, nicht queer' - lehnt 'homosexuell' ab

Spahn positioniert sich: 'Schwul' statt 'homosexuell' oder 'queer'

In einem aufschlussreichen Gespräch mit der Wochenzeitung 'Die Zeit' hat Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) klare Worte zu seiner sexuellen Orientierung und der damit verbundenen Begrifflichkeit gefunden. Der 45-jährige Politiker lehnt den Begriff 'homosexuell' für sich persönlich entschieden ab und distanziert sich zugleich von der Bezeichnung 'queer'.

Eine Frage der Wortwahl und des persönlichen Empfindens

'Ich möchte von dir nie wieder homosexuell genannt werden', erklärte Spahn seinem Amtsvorgänger Volker Kauder (76, CDU) gegenüber. Diese deutliche Aussage unterstreicht er im Zeit-Interview: 'Schwul. Homosexuell, das klingt für mich furchtbar. Steril.' Sein Gesprächspartner, SPD-Fraktionschef Matthias Miersch (57, SPD), der ebenfalls schwul ist, pflichtete ihm bei: 'Es klingt klinisch, nach einer technischen Einordnung.'

Die Ablehnung geht jedoch noch weiter. 'Ich bin schwul, nicht queer', stellt Spahn unmissverständlich klar. 'Dieses Identitätspolitische – als wäre das ein Konzept', kommentiert er kritisch. Dabei bezeichnet sich als queer, wer sich nicht als heterosexuell identifiziert oder nicht mit traditionellen Geschlechterrollen und gesellschaftlichen Normen rund um Sexualität und Geschlecht übereinstimmt.

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Sexualität versus politische Ideologie

Matthias Miersch hakte nach und fragte, warum Spahn Probleme mit dem Begriff 'queer' habe und ob diese Politisierung und Abgrenzung notwendig sei. Spahns Antwort fiel deutlich aus: 'Ich habe gar kein Problem damit, dass die Gesellschaft da offen ist, es kann sich auch jeder queer nennen. Im Gegenteil, ich bin sehr liberal, was das Private angeht. Ich halte aber nichts von der Verknüpfung mit politischer Ideologie.'

Der Unionsfraktionschef warnt davor, dass durch eine übermäßige Betonung von Selbstdefinitionen historische Errungenschaften infrage gestellt werden könnten. 'Wenn alles zu einer Frage der Selbstdefinition erklärt werde, selbst das Geschlecht, stelle man damit die Emanzipationsgeschichte infrage', erklärt er. 'Dann verschwindet doch alles, was erreicht wurde, auch für die Emanzipation von Frauen.'

Abschließend wirft Spahn eine provokante Frage auf, die die praktischen Konsequenzen solcher Diskussionen verdeutlichen soll: 'Wer sitzt eigentlich dann auf der Toilette – oder im Frauengefängnis?' Diese rhetorische Frage unterstreicht seine Skepsis gegenüber einer zu starken Politisierung von Identitätsfragen.

Jens Spahn ist seit 2017 mit Daniel Funke (44) verheiratet, was seine persönliche Lebensrealität als schwuler Mann in Deutschland unterstreicht. Seine Positionen zeigen, dass auch innerhalb der LGBTQ-Community unterschiedliche Auffassungen zu Begriffen und politischen Ansätzen existieren.

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