Öko-Test bewertet DDR-Kultmarke 'fit' als mangelhaft – Wissenschaftsjournalist kritisiert Methodik
In einem aktuellen Vergleichstest von Öko-Test hat die ostdeutsche Kultmarke "fit" überraschend schlecht abgeschnitten. Bei der Untersuchung von 26 Handspülmitteln landete der DDR-Klassiker mit der Note "mangelhaft" auf dem letzten Platz. Die Bewertung basiert nicht auf der Reinigungsleistung, sondern auf der Analyse von Inhaltsstoffen, insbesondere nachgewiesenen Schadstoffen.
Formaldehyd-Nachweis als Hauptkritikpunkt
Im Labor stellten die Tester erhöhte Werte von Formaldehyd fest. Laut Öko-Test wurde mehr Formaldehyd nachgewiesen, als in abspülbarer Kosmetik erlaubt ist. Die Autoren des Tests vermuten, dass der Stoff aus dem Konservierungsmittel Bronopol freigesetzt wurde, das in "fit" enthalten ist. Da Spülmittel häufig direkten Hautkontakt haben, bewerten die Prüfer die Grenzwerte ähnlich streng wie bei Kosmetikprodukten.
Das Umweltbundesamt stuft Formaldehyd als gesundheitlich bedenklich ein und sieht den Stoff im Verdacht, genetische Defekte hervorzurufen und Krebs zu erzeugen. Öko-Test stellt klar, dass durch das Umweltzeichen für Handgeschirrspülmittel "Formaldehyd und Formaldehydabspalter überhaupt nicht enthalten sein" dürfen.
Hersteller widerspricht den Vorwürfen
Die "fit GmbH" weist die Darstellung von Öko-Test entschieden zurück. Das Unternehmen erklärt, dass Formaldehyd nicht direkt zugesetzt werde, sondern als natürliche Reaktion von Konservierungsstoffen entstehe. Alle verwendeten Inhaltsstoffe seien innerhalb der EU zugelassen und das Produkt erfülle die geltenden gesetzlichen Anforderungen. Die gemessenen Werte seien zudem sehr niedrig und würden kein Risiko darstellen.
Wissenschaftsjournalist zweifelt Bewertungsmaßstäbe an
Der Wissenschaftsjournalist Ludger Wess äußert sich skeptisch zur Methodik von Öko-Test. Er kritisiert, dass Öko-Test einen falschen Grenzwert zugrunde gelegt habe: den für Kosmetika. "Niemand duscht jedoch mit Spülmittel", so Wess. Zudem werde der gemessene Wert in der Pressemitteilung gar nicht mitgeteilt.
Wess weist darauf hin, dass Formaldehyd ein natürlicher Bestandteil des menschlichen Körpers sei. Ein erwachsener Mensch produziere pro Tag schätzungsweise 50 Gramm Formaldehyd und nehme über die Nahrung etwa 14 Milligramm des Stoffes auf. Formaldehyd entstehe als Zwischenprodukt des Stoffwechsels und werde schnell durch ein Enzym zu Ameisensäure abgebaut.
Öko-Test reagiert auf die Kritik
Auf Nachfrage kann Öko-Test die Argumentation von Wess "ohne eingehende Prüfung weder widerlegen noch bestätigen". Die Organisation betont jedoch: "Ob eine Verbindung endogen als Zwischenprodukt eines Stoffwechselprozesses gebildet wird, erlaubt nicht zwingend einen Rückschluss darauf, ob diese als externer Schadstoff an anderer Stelle des Körpers ein Gefährdungspotential darstellt."
Praxistest mit klaren Siegern
Im praktischen Test zur Ergiebigkeit und Wirkung wurden mehr als 2.000 Teller per Hand gereinigt. Als Sieger gingen das "Ultra Power Spülmittelkonzentrat", die Rewe Eigenmarke "ja!" sowie das "Sodasan Spülmittel Lemon & Lime" hervor. Diese Produkte überzeugten sowohl in der Reinigungsleistung als auch in der ökologischen Bewertung.
Die Diskussion um die Bewertung von "fit" zeigt, wie komplex die Beurteilung von Produktsicherheit und Umweltverträglichkeit sein kann. Während Öko-Test auf strenge Grenzwerte pocht, verweisen Kritiker auf natürliche Vorkommen des Stoffes im menschlichen Körper und zweifeln die Vergleichbarkeit mit Kosmetikprodukten an.



