Brandenburgs Elternrat fordert Stopp der Inklusion – Kritik von Politik und Pädagogen
Potsdam • Der Brandenburger Landeselternrat hat sich in einer kontroversen Debatte gegen die Fortsetzung der schulischen Inklusion im Land ausgesprochen. Als Hauptgrund nennt der Elternrat den akuten Lehrermangel, der eine angemessene Betreuung von Kindern mit und ohne Förderbedarf in gemeinsamen Klassen unmöglich mache.
Forderung nach Ausbau von Förderschulen
Matthias Knoll, Sprecher des Landeselternrates, erklärte gegenüber der „Märkischen Oderzeitung“, dass die Inklusion in Brandenburg in einer Sackgasse stecke. „Begabte und zu fördernde Kinder in eine Klasse zu stecken, funktioniert ohne das dafür notwendige Lehrpersonal nicht“, so Knoll. Der Elternrat fordert daher:
- Den Erhalt und tendenziellen Ausbau von Förderschulen
- Eine Verschärfung der Zugangsbedingungen für Gymnasien
- Eine Stärkung des Niveaus an Oberschulen und Gesamtschulen durch Schüler, die den Weg ans Gymnasium nicht geschafft haben
Diese Positionierung löste umgehend heftige Reaktionen aus der Politik und von Bildungsexperten aus.
Scharfe Kritik von Grünen und Linken
Die Landesvorsitzende der Grünen, Juliane Meyer, äußerte sich kritisch zum Vorstoß des Elternrates: „Brandenburg braucht mehr Bildungsgerechtigkeit – nicht frühzeitigere Segregation“. Sie betonte, dass bei fehlenden Ressourcen die Antwort nicht in einer stärkeren Trennung liegen dürfe, sondern in verstärkten Investitionen in die Zukunft der Kinder.
Stephan Wende, stellvertretender Landesvorsitzender der Linken, verwies auf die verbindliche UN-Behindertenrechtskonvention: „Kinder mit Förderbedarfen haben das gleiche Recht auf Bildung wie alle anderen Kinder auch“. Für ihn sei die Abschaffung der Inklusion nicht verhandelbar.
Lehrerverband sieht praktische Probleme
Hartmut Stäker, Präsident des Brandenburger Pädagogenverbands, bestätigte die praktischen Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Inklusion. „Inklusion können wir nicht zurückfahren, das ist gesetzlich festgelegt“, so Stäker. Allerdings fehlten für eine angemessene Umsetzung sowohl Geld als auch Personal.
Er verwies auf die veränderten Rahmenbedingungen: Während in Modellprojekten noch durchgehend eine zweite Lehrkraft anwesend war und maximal fünf von 23 Schülern Förderbedarf hatten, seien heute Klassen mit 28 oder 29 Schülern üblich, von denen sieben bis neun Förderbedarf hätten. Zudem fehle oft die Förderung besonders leistungsstarker Schüler.
AfD unterstützt Elternrat-Position
Dennis Hohloch, bildungspolitischer Sprecher der AfD, begrüßte die Aussagen des Elternrates. „Die ideologische Inklusion der letzten Jahrzehnte ist gescheitert“, so Hohloch. Er kritisierte, dass die SPD über Jahre Förderschulen geschlossen habe, während Kinder mit unterschiedlichen Bedürfnissen in große Klassen gesteckt worden seien – ohne ausreichendes Personal und passende Ausstattung.
Hohloch forderte stattdessen den Ausbau des Förderschulsystems und die grundständige Ausbildung von Förderschullehrern.
SPD äußert sich zurückhaltend
Die SPD-Bildungsexpertin Katja Poschmann äußerte sich aus Rücksicht auf die anstehende Veröffentlichung des Koalitionsvertrags am Montag nicht zu der kontroversen Debatte. Die Diskussion um die Zukunft der Inklusion in Brandenburg dürfte jedoch auch nach Veröffentlichung des Koalitionsvertrags weitergehen, da die Positionen zwischen Elternrat, Politik und Pädagogen deutlich auseinandergehen.



