Berliner Bezirk finanziert Drag-Kurse für Jugendliche - Workshop findet mangels Anmeldungen nicht statt
Berliner Drag-Kurse für Jugendliche: Keine Anmeldungen

Berliner Bezirk finanziert Drag-Kurse für Jugendliche - Workshop findet mangels Anmeldungen nicht statt

In Berlins Norden sorgt ein staatlich finanziertes Bildungsangebot für erhebliche Diskussionen. Die Jugendkunstschule „Atrium“ am Senftenberger Ring in Reinickendorf hatte einen Workshop mit dem Titel „Entdecke deine Drag-Persona“ für Teenager im Alter von 13 bis 17 Jahren angekündigt. Der Kurs sollte dienstags von 16.30 bis 18 Uhr stattfinden und kostete eine Teilnahmegebühr von 45 Euro.

Queer-Performer als Kursleiter

Als Seminarleiter war der Queer-Performer Noé Théry vorgesehen, der sich unter dem Künstlernamen Pétrole Désamour präsentiert. Auf der Internetseite der Jugendkunstschule wurde er als „weiße, nichtbehinderte, französische Trans*-Person“ beschrieben, die 2019 in Frankreich als Drag King auf der Bühne debütierte und in Berlin einen Masterabschluss in Gender Studies erworben hat.

In der Kursbeschreibung warb Théry: „Egal, ob du dich als Junge, Mädchen oder anders fühlst – mach mit und entdecke deine Drag-Persona! In entspannter Runde hinterfragen wir nicht nur Geschlechterrollen, sondern entwickeln unsere ganz eigenen Personas.“

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Politische Kontroverse im Bezirk

Das Angebot löste insbesondere im bürgerlichen Norden Berlins einen Aufschrei aus und wurde sogar Thema in der Bezirksverordnetenversammlung. CDU-Bezirksverordneter Hans-Peter Ott (61) äußerte scharfe Kritik: „Es stellt sich schon die Frage, ob in Zeiten besonderer Awareness sich auf öffentlicher Bühne präsentierende Fellatio-Experten geeignetes pädagogisches Personal sind, um mit staatlicher Unterstützung Freizeit für Kinder zu gestalten.“

Die Kritik bezog sich auch auf Thérys privaten Instagram-Account, auf dem Fotos in Fetisch-Kleidung und pornografischen Darstellungen zu sehen sind.

Verteidigung durch die Jugendkunstschule

Claudia Güttner (53), Leiterin der Jugendkunstschule „Atrium“, verteidigte das Angebot: „In dem Kurs geht es um Antidiskriminierung, Rollenverständnis, Spaß am Performen. Es gibt keine sexualisierenden Inhalte.“ Sie betonte, Théry habe sie mit seinem Fachwissen überzeugt, und wie er sich außerhalb seiner Tätigkeit darstelle, sei seine Lebensart.

Bildungsstadtrat Harald Muschner (64, CDU) erklärte auf Anfrage: „Der Bezirk bewertet den Kurs positiv und hält ihn für pädagogisch sinnvoll, altersgerecht und rechtlich unbedenklich.“ Es gebe keinen Anlass, an der Qualität oder Professionalität zu zweifeln.

Reaktion des Künstlers und Ausgang

Noé Théry zeigte sich von der Debatte betroffen: „Ich bin schockiert und verletzt von den herabwürdigenden Anschuldigungen, die ein völlig falsches Bild meiner pädagogischen Praxis zeichnen. Einige meiner Auftritte haben zwar erotische Aspekte, aber das hat nichts mit dem Inhalt der Workshops zu tun.“

Das vorläufige Ende der Debatte: Der Workshop wird nicht durchgeführt. Der Grund ist ebenso einfach wie eindeutig – es gab keine einzige Anmeldung für das umstrittene Angebot.

Die Jugendkunstschule „Atrium“ gehört zum Fachbereich Kunst und Geschichte des Bezirksamtes Reinickendorf. Das Personal wird von der Senatsverwaltung für Bildung gestellt, während die Senatskulturverwaltung die fachliche Zuständigkeit innehat.

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