Hamburger Exil-Iraner feiern das Ende der Khamenei-Ära
Die Nachricht vom Tod des iranischen Obersten Führers Ali Khamenei hat in der Exilgemeinschaft in Hamburg für euphorische Reaktionen gesorgt. An einem Montagnachmittag versammeln sich zahlreiche Iraner auf dem Hamburger Rathausmarkt, um diesen Wendepunkt zu begehen und ihre Hoffnungen auf einen politischen Wandel in der Heimat auszudrücken.
Ein Feuerwehrauto als Symbol des Protests
Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht Soheil Menhaj, ein 52-jähriger Speditionsunternehmer, der mit 14 Jahren aus Teheran nach Deutschland floh. Er hat ein altes Feuerwehrauto zu einem mobilen Protestfahrzeug umgebaut, auf dessen Dach sechs alte iranische Flaggen aus der Schah-Zeit sowie zwei Deutschlandfahnen wehen. Ein meterhohes Banner mit den Aufschriften "Stop Murdering Children" und "Free Iran" hängt herab.
"Ich stehe hier, weil ich nach all den Jahren endlich wieder Hoffnung habe", erklärt Menhaj. Seit 2022 nutzt er das Fahrzeug für Demonstrationen der "Frau, Leben, Freiheit"-Bewegung, die nach dem gewaltsamen Tod von Jina Mahsa Amini entstand. Doch die aktuelle Situation sei anders: "Der Mann, der das Land jahrzehntelang knechtete, existiert nicht mehr."
Diskussionen mit der deutschen Bevölkerung
Die ungewöhnliche Protestaktion zieht zahlreiche Passanten an, die stehen bleiben, fotografieren oder ins Gespräch kommen. Ein deutscher Mann mit schwarzer Aktentasche stellt kritische Fragen zur amerikanischen Intervention und zur historischen Rolle des Schahs. "Was die Amis da in Iran gemacht haben, findet ihr also gut?", fragt er skeptisch.
Menhaj antwortet entschieden: "Leider ja. Bei allem Respekt, es sind tausende Tote. Wie viele Opfer soll es denn noch geben?" Die Diskussion zwischen dem hochskeptischen Deutschen und dem hoffnungsvollen Exilanten verdeutlicht die unterschiedlichen Perspektiven auf die komplexe Lage.
Die Stimmen der Diaspora
Unter den Protestierenden befinden sich auch Hoda Reihani und Sam Falsafinia, zwei weitere Mitglieder der iranischen Diaspora. Reihani, die seit acht Jahren in Deutschland lebt, hat sich eine Flagge mit dem Löwen-Symbol um den Körper gebunden. "Meine Generation konnte nicht in Freiheit leben", sagt die 41-Jährige, die Iran wegen ihres Einsatzes für Frauenrechte verlassen musste. "Nun ist der Diktator tot."
Falsafinia trägt ein rotes Käppi mit der Aufschrift "Make Iran Great Again" und betont: "Das ist vielleicht unsere letzte Chance." Er habe viele Freunde durch das Regime verloren und einen Bruder im Gefängnis gesehen.
Zwischen Hoffnung und Sorge
Die Stimmung unter den Exil-Iranern schwankt zwischen vorsichtigem Optimismus und tiefer Besorgnis. Menhaj berichtet von einem Telefonat mit seiner Mutter in Iran, bei dem sie aus Angst vor Abhörmaßnahmen des Regimes kaum über politische Themen sprechen konnte. Reihani konnte aufgrund schlechter Internetverbindungen noch nicht mit ihrer Familie Kontakt aufnehmen. "Ich mache mir große Sorgen", gesteht sie.
Eine weitere Frau, die sich der Gruppe anschließt, äußert Enttäuschung über die internationale Gemeinschaft: "Was war denn mit der feministischen Außenpolitik von Baerbock?" Erst wenn es um Öl und Wirtschaftsinteressen gehe, würden sich westliche Staaten engagieren. Mit Tränen in den Augen erinnert sie an die vielen Toten und die verzweifelten Eltern, die in Müllsäcken nach ihren Kindern suchten.
Menhaj versucht, Hoffnung zu verbreiten: "Es kann nur besser werden." Er kündigt an, auch in den kommenden Tagen weiter auf dem Rathausmarkt zu protestieren – ein Zeichen dafür, dass die Exilgemeinschaft trotz aller Unsicherheiten nicht aufgeben will.



