Die Geschichte hinter dem Bild: Ein Leben zwischen zwei Welten
Das Foto zeigt SPIEGEL-Leser John Osmani mit seinem Vater Jakob am Eingang des Kennedyparks in Aachen im Jahr 1976. Es ist ein Moment, der eine ganze Ära einfängt – die Zeit der Gastarbeiter in Deutschland.
Kindheit als Sohn jugoslawischer Einwanderer
John Osmani wuchs als Kind jugoslawischer Einwanderer in Aachen auf. Seine Eltern waren Teil der großen Gastarbeiterwelle, die in den 1960er und 1970er Jahren nach Deutschland kam, um hier Arbeit und eine bessere Zukunft zu finden. Für Osmani war diese Zeit geprägt von der Suche nach Identität und Zugehörigkeit.
„Wir seilten uns an Kennedys Nase ab“, erinnert er sich mit einem Schmunzeln an die Abenteuer im Kennedypark. Doch hinter dieser kindlichen Unbeschwertheit verbarg sich oft der Alltag zwischen zwei Kulturen – der deutschen und der jugoslawischen.
Die prägenden Begegnungen mit anderen Gastarbeiterkindern
Bis heute, so betont Osmani, zehre er von den Begegnungen mit anderen Gastarbeiterkindern. Diese Freundschaften waren mehr als nur Spielkameradschaften; sie wurden zu einer wichtigen Stütze in einer Zeit, in der viele Familien mit den Herausforderungen der Integration zu kämpfen hatten.
- Die gemeinsame Sprache und Kultur schufen ein Gefühl von Gemeinschaft.
- Die Erfahrungen teilten sich in Schulen und auf Spielplätzen, wo sie oft zwischen den Welten navigieren mussten.
- Diese Bindungen halfen, die Isolation zu überwinden und ein Netzwerk der Unterstützung aufzubauen.
Osmanis Geschichte ist ein Beispiel für die vielen unsichtbaren Geschichten der Gastarbeiterkinder, die Deutschland mitgeprägt haben. Sie erzählt von Anpassung, Widerstandsfähigkeit und der Kraft menschlicher Verbindungen.
Ein bleibendes Erbe
Auch wenn die Zeiten sich geändert haben, bleiben die Erinnerungen und Lektionen aus dieser Zeit lebendig. Osmani blickt heute mit Dankbarkeit auf seine Kindheit zurück, die ihm nicht nur Herausforderungen, sondern auch wertvolle Freundschaften und eine tiefe Verbundenheit mit seiner Heimatstadt Aachen geschenkt hat.
Aufgezeichnet von Henrike Hartmann, 19.02.2026.



