Münchner VHS in Not: Bundesmittel für Integrationskurse drastisch gekürzt
Münchner VHS: Bundesmittel für Integrationskurse gekürzt

Budgetkürzungen erschüttern Münchner Integrationsangebote

Die Münchner Volkshochschulen (MVHS) stehen vor einer schweren finanziellen Krise. Das Bundesamt für Migration und Flucht (BAMF) hat die Mittel für freiwillige Integrationskurse drastisch reduziert, was die langfristige Planung der Bildungseinrichtung gefährdet.

Plötzlicher Stopp der Antragsgenehmigungen

Matthias Ecker, Managementdirektor der MVHS, äußert sich entsetzt über die Entscheidung des Bundesinnenministeriums. "Die jüngsten Kürzungen sollten umgehend rückgängig gemacht werden", fordert er. Ein Schreiben des BAMF habe alle Beteiligten kalt erwischt. Bis auf Weiteres würden keine Anträge für die freiwilligen Integrationskurse mehr genehmigt, was die Jahresplanungen der Träger komplett durcheinanderbringe.

Die MVHS als städtische Tochter erstelle ihre Pläne traditionell vor dem Herbst, die dann genehmigt werden. Die nun angekündigten Kürzungen von etwa 50 Prozent aller Integrationskurse – speziell des freiwilligen Anteils – werfe die Wirtschaftsplanung "völlig über den Haufen". Besonders problematisch: Die Maßnahmen gelten rückwirkend bis zum 1. Dezember 2025.

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Langjährige Erfolgsgeschichte in Gefahr

Die Integrationskurse der MVHS blicken auf eine mehr als 20-jährige Erfolgsgeschichte zurück. "Sie sind ausgereift und bewährt", betont Ecker. Sogar internationale Delegationen, darunter eine schwedische Gruppe vor etwa 15 Jahren, hätten sich die Kursstruktur zum Vorbild genommen. Die Teilnehmer erwerben am Ende die Sprachstufe B1, das EU-Mindestniveau für Aufenthaltserlaubnisse.

Die finanziellen Auswirkungen sind gravierend: Der MVHS werden laut Ecker künftig etwa 1,7 Millionen Euro fehlen. Dabei gelten die Kurse als äußerst kosteneffizient. Ein Integrationskurs kostet pro Person etwa 1500 Euro für 600 Stunden jährlich – umgerechnet lediglich 2,50 Euro pro Unterrichtsstunde.

Politische Unterstützung für die VHS

Verena Dietl, dritte Bürgermeisterin Münchens von der SPD, unterstützt die Kritik der Volkshochschulen. Sie fordert ebenfalls die Rücknahme der Kürzungen durch die Bundesregierung. Etwa 250 Kurse der MVHS stünden auf der Kippe, der Einschlag sei enorm.

"In der aktuellen Wirtschaftslage müsste das Angebot an Integrationskursen ausgebaut und nicht reduziert werden", argumentiert Dietl. Die Kürzungen träfen vor allem vulnerable Gruppen:

  • Asylbewerberinnen und Asylbewerber
  • Geduldete Personen
  • Geflüchtete aus der Ukraine
  • Unionsbürgerinnen und Unionsbürger

Genau jene Menschen also, die durch Sprachkompetenz in den Arbeitsmarkt einsteigen und von Sozialleistungen unabhängig werden wollen. Die Dozentinnen und Dozenten, die diese Kurse halten würden, könnten nach aktuellem Stand nicht mehr bezahlt werden, was zusätzliche Arbeitsplatzverluste bedeute.

Die Münchner Volkshochschule appelliert an die Vernunft der Bundesregierung, die bewährten Integrationsstrukturen nicht zu gefährden. Sprachförderung bleibe ein Schlüssel für gesellschaftliche Teilhabe und wirtschaftliche Unabhängigkeit – besonders in einer Metropolregion wie München.

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