Medienexpertin zweifelt an Altersgrenzen: Social-Media-Schutz für Kinder braucht mehr
Die Diskussion um Altersbeschränkungen für die Nutzung von Social Media hält an, doch eine führende Medienexpertin äußert deutliche Zweifel an deren Wirksamkeit. Eva Flecken, Chefin der Medienanstalt Berlin-Brandenburg, betont im Gespräch mit dem „Nordkurier“, dass einfache Lösungen wie Altersgrenzen allein Kinder und Jugendliche nicht ausreichend vor Gefahren im Internet schützen können.
Problemanalyse ist klar, Lösungen fehlen
„Ich verstehe jedes Elternteil und auch die Politik, die nach greifbaren, vielleicht einfachen Lösungen suchen, wenn es um den Schutz und die Sicherheit unserer Kinder und Jugendlichen im Netz geht“, sagte Flecken. „Ob aber eine Altersgrenze, wie sie derzeit politisch diskutiert wird, dieses Ziel überhaupt erreichen kann, da bin ich mir nicht ganz sicher.“
Die Expertin weist darauf hin, dass nach den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der Plattformen Kinder und Jugendliche unter 13 oder 14 Jahren diese ohnehin nicht nutzen dürften. „Sie überprüfen aber das Alter nicht effektiv“, kritisiert Flecken. „Vielleicht sollten sich die Plattformen schlichtweg an ihre eigenen AGB halten und diese auch wirksam durchsetzen.“
Extremistische Inhalte und Pornografie leicht zugänglich
Die Landesmedienanstalt sieht beim Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet dringenden Handlungsbedarf. „Wir wurden vom Gesetzgeber verpflichtet, dafür zu sorgen, dass Inhalte, die Kinder und Jugendliche gefährden oder in ihrer Entwicklung beeinträchtigen können, aus dem Netz verschwinden“, erklärt Flecken. Konkret nennt sie:
- Extremistische Inhalte wie NS-Symboliken
- Islamistische Propaganda
- Pornografie, die ohne Altersbeschränkung auch für Zehnjährige abrufbar ist
Prävention und Medienkompetenz als Schlüssel
Neben technischen Lösungen betont Flecken die Bedeutung von Prävention. „Wir müssen Kinder und Jugendliche in die Lage versetzen, sich genauer anzuschauen, auf welchen Plattform verbringe ich wie viel Zeit und was sehe ich da“, so die Expertin. Wichtige Fragen seien:
- Sehe ich dort Inhalte, die mich verstören?
- Wie und wo kann ich diese melden?
Auch Familien, Eltern und Lehrkräfte müssten beim Thema Informations- und Nachrichtenkompetenz von Kindern und Erwachsenen fitter gemacht werden. Entsprechende Angebote finden sich auf dem Portal der Medienanstalt.
Politische Diskussion in Brandenburg
In Brandenburg gibt es seit längerem eine intensive Diskussion über das Thema. Unter anderem hatte sich Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) jüngst für eine Altersbegrenzung ausgesprochen. Die Medienanstalt positioniert sich hier als kritische Stimme, die auf umfassendere Lösungen drängt.
Fleckens Aussagen machen deutlich: Der Schutz von Kindern und Jugendlichen im Netz erfordert ein mehrdimensionales Vorgehen. Altersgrenzen allein reichen nicht aus – es braucht effektive Plattform-Kontrollen, bessere Durchsetzung bestehender Regeln und vor allem eine Stärkung der Medienkompetenz aller Beteiligten.



