Jugendherbergen im Wandel: Familien sparen, Schulklassen fordern mehr pädagogische Unterstützung
Das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH) hat seine Bilanz für das Jahr 2025 präsentiert und zeigt sich mit einem Rückgang der Übernachtungen konfrontiert. Insgesamt verzeichneten die 14 eigenständigen Landesverbände bundesweit 8,8 Millionen Übernachtungen, was einem Minus von etwa 2,8 Prozent im Vergleich zu Vorjahren entspricht. Hauptgeschäftsführer Oliver Peters führt diese Entwicklung auf die finanziellen Belastungen vieler Haushalte zurück, die durch die anhaltende Inflation und die Folgen globaler Krisen wie der Corona-Pandemie und des Ukraine-Kriegs verursacht wurden.
Familienbudgets unter Druck: Weniger Übernachtungen pro Aufenthalt
Obwohl die Beliebtheit der Jugendherbergen bei Familien ungebrochen ist, beobachtet der Verband eine deutliche Veränderung im Buchungsverhalten. Die Zahl der Übernachtungen pro Familie wird kleiner, wie Peters bei der Vorstellung der Jahreszahlen in Detmold erläuterte. Familien schauen vermehrt aufs Geld und streichen längere Aufenthalte, um Kosten zu sparen. Trotz dieses Sparkurses bleiben Familien mit einem Anteil von 20 Prozent die zweitgrößte Gästegruppe in den Jugendherbergen.
Schulklassen als stabiler Pfeiler mit wachsendem pädagogischem Bedarf
Im Bereich der Schul- und Klassenfahrten blieben die Übernachtungszahlen mit 3,7 Millionen stabil, was 42 Prozent aller Gäste ausmacht und diese Gruppe zur größten im DJH macht. Allerdings hat sich der Bedarf an pädagogischen Programmen deutlich erhöht. Die Themen Emotionen, soziales Verhalten in der Gruppe, Einsamkeit und Medienkompetenz müssen intensiver aufgegriffen werden, betonte Peters. Die Jugendherbergen reagieren darauf, indem sie ihre Angebote an die veränderten Bedürfnisse der Schüler anpassen.
Struktur und Angebote des Deutschen Jugendherbergswerks
Im vergangenen Jahr bot der gemeinnützige Verband in 394 Häusern rund 65.000 Betten an, was einem Schnitt von 166 Schlafmöglichkeiten pro Herberge entspricht. Von den 8,8 Millionen Übernachtungen wurden etwa 515.000 von internationalen Gästen gebucht. Die Mitgliederzahl ist mit 2,3 Millionen konstant geblieben, und bundesweit arbeiten fast 5.400 hauptamtliche Mitarbeiter sowie rund 670 Ehrenamtliche für den DJH.
Zusätzlich zu den klassischen Zielgruppen hat der Verband sein Angebot erweitert. In Universitätsstädten werden vermehrt Betten für angehende Studierende bereitgestellt, um die Zeit der Wohnungssuche zu Semesterbeginn zu überbrücken. Allerdings können hierzu keine genauen Zahlen genannt werden, da diese Übernachtungen in der offiziellen Statistik nicht separat ausgewertet werden.
Insgesamt zeigt die Bilanz des DJH für 2025, dass die Jugendherbergen sich flexibel an die wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen anpassen müssen. Während Familien sparen, gewinnt die pädagogische Unterstützung für Schulklassen an Bedeutung, um den veränderten Bedürfnissen gerecht zu werden.



