Im Landkreis Saalekreis werden in den kommenden Wochen erneut die Wünsche und Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen erhoben. Die Befragung „What’s up 2.0“ richtet sich an Sechs- bis 26-Jährige und soll dazu dienen, die Angebote der offenen Kinder- und Jugendhilfe bedarfsgerecht anzupassen. Besondere Schwerpunkte liegen auf der psychischen Belastung junger Menschen sowie auf dem Thema Mobilität, insbesondere im Hinblick auf das Deutschlandticket.
Hintergrund der Studie
Die Studie wird vom Landkreis Saalekreis in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Jugendinstitut (DJI) durchgeführt. Bereits 2018 gab es eine erste Befragung, deren Ergebnisse nun fortgeschrieben werden sollen. „Die Lebensrealität hat sich mit Corona verändert“, betont Annett Hellwig, Dezernentin für Gesundheit, Soziales und Bildung. Die Studie diene als zentrales Planungsinstrument, um zu ermitteln, welche Angebote in den verschiedenen Regionen des Landkreises benötigt werden. Gleichzeitig sollen bestehende Angebote auf ihre Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit überprüft werden.
Psychische Belastung im Fokus
Jugendamtsleiterin Antje Springer hebt hervor, dass die psychische Belastung von Kindern und Jugendlichen gestiegen sei. Dies sei nicht nur auf die Corona-Pandemie zurückzuführen, sondern auch auf schulischen Druck, Isolation, Mobbing und gesellschaftliche Veränderungen. „Wir wollen die Planung nicht auf gefühlte Wahrheiten stützen“, erklärt Springer. Die Studie soll belastbare Daten liefern, um Fördermittel gezielt einsetzen zu können.
Mobilität und Deutschlandticket
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Neuauflage ist die Mobilität. In der ersten Studie spielte dieses Thema nur eine untergeordnete Rolle. Nun soll untersucht werden, wie Kinder und Jugendliche das Deutschlandticket nutzen, insbesondere in ihrer Freizeit. „Wir sind ein Flächenlandkreis“, sagt Springer. Das Ticket könne helfen, Wege zu Freizeitangeboten zu überbrücken, ohne auf die Eltern angewiesen zu sein.
Beteiligung von Schulen und Kommunen
Für die Befragung setzt der Landkreis auf die Mithilfe von Kommunen, Schulen und Eltern. Insgesamt 56 Schulen im Saalekreis sind eingeladen, teilzunehmen. In ausgewählten Grundschulen werden begleitete Gruppenbefragungen durchgeführt, während in weiterführenden Schulen jeweils eine Klasse pro Jahrgang an der Onlinebefragung teilnimmt. „Die Kinder und Jugendlichen erreichen wir über die Schulen“, erklärt Stefan Fehser, Projektmitarbeiter beim DJI. „Da brauchen wir aber die Eltern, die die Genehmigungen für die Teilnahme unterschreiben.“
Einbeziehung junger Erwachsener
Junge Erwachsene im Alter von 17 bis 26 Jahren, die nicht mehr über die Schule erreichbar sind, werden per Brief aus ihren Kommunen angesprochen. Per Stichprobe werden über 6.000 junge Erwachsene ausgewählt, deren Teilnahme online erwartet wird. Als Anreiz winkt als Hauptpreis ein iPhone.
Rolle der Vereine
Die erste Studie zeigte, dass viele Kinder und Jugendliche in Vereinen organisiert sind. „Wir hoffen, dass das auch weiter so ist“, sagt Springer. Vereine böten vielen einen guten Halt. Die Befragung soll auch Erkenntnisse darüber liefern, wie die Vereinsarbeit gestärkt werden kann.
Die Ergebnisse der Studie werden als Grundlage für die künftige Ausrichtung der Kinder- und Jugendhilfe im Saalekreis dienen. „Je besser die Präventionsarbeit läuft, desto weniger intensive Instrumente muss man später einsetzen“, fasst Springer zusammen.



