Ein ausgehöhltes Sofa, Lautsprecher voller Päckchen, ein Auto in der Tiefgarage: In Ramersdorf bei München flog ein professionell aufgebautes Drogenlager mit mehr als 60 Kilo Cannabis in der Wohnung eines schwerbehinderten Italieners auf. Ein Nachbar brachte die Fahnder mit einem Hinweis auf Geruch und regen Besucherverkehr auf die Spur. Jetzt stehen mutmaßliche Dealer und Komplizen vor Gericht.
Der Fund
Die Polizei durchsuchte die Wohnung des 45-jährigen Rollstuhlfahrers und entdeckte in einer speziell präparierten Couch, in Lautsprechern und im Fahrzeug des Mannes insgesamt 62 Kilogramm Cannabis. Der Straßenverkaufswert wird auf rund 600.000 Euro geschätzt. Der Italiener, der seit einem Unfall querschnittsgelähmt ist, gab an, die Drogen für einen Freund aufbewahrt zu haben.
Die Ermittlungen
Die Beamten waren einem Tipp aus der Nachbarschaft gefolgt. Mehrere Anwohner hatten sich über den intensiven Cannabisgeruch beschwert, der aus der Wohnung drang. Zudem fiel den Ermittlern auf, dass trotz der Behinderung des Bewohners ständig Besucher kamen. Bei der Durchsuchung fanden die Fahnder nicht nur die Drogen, sondern auch Bargeld und Verpackungsmaterial.
Der Prozess
Vor dem Landgericht München I müssen sich nun drei Männer im Alter zwischen 30 und 45 Jahren verantworten. Die Anklage lautet auf bandenmäßigen Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge. Der Hauptangeklagte, der Rollstuhlfahrer, schweigt zu den Vorwürfen. Die beiden anderen Angeklagten sollen die Drogen geliefert und den Vertrieb organisiert haben. Der Prozess stockt jedoch bereits zu Beginn, da einer der Verteidiger einen Befangenheitsantrag gegen den Richter stellte. Das Gericht muss nun über den Antrag entscheiden, bevor die Verhandlung fortgesetzt werden kann.



